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Erstmals direkt vermessen: Der Marskern ist größer und weniger dicht als erwartet

Als Planetenwissenschaftler bei der NASA-InSight-Mission haben Forscher den Kern des Mars erstmals direkt vermessen. Die Ergebnisse zeigen: Der Kern des Roten Planeten ist deutlich größer als zuvor angenommen.

Seismische Instrumente des Landers haben Wellen tief im Planeteninneren erfasst. Die Daten weisen auf einen Kerndurchmesser von 1.810 bis 1.860 Kilometern hin – etwa die Hälfte des Erdkerns. Diese Größe übertrifft viele Modelle, was auf eine geringere Dichte hindeutet. Wahrscheinliche Ursache: Leichtere Elemente wie Sauerstoff im Kern.

Die Messungen wurden auf der virtuellen Lunar and Planetary Science Conference präsentiert, eine Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift steht bevor. Diese Entdeckung hilft, die Entwicklungsgeschichte des Mars zu entschlüsseln und wirft Licht auf Bedingungen für mögliches Leben.

"Die Vermessung erfolgte mit einem hochpräzisen Seismometer", erklärt Divya Persaud, Planetenwissenschaftlerin an der UCL, die nicht am Projekt beteiligt war. "Es funktioniert wie ein empfindliches Ohr am Boden, das auf energetische Ereignisse im Planeteninneren lauscht – auf der Erde Erdbeben, auf dem Mars Marsbeben oder Meteoriteneinschläge."

InSight registrierte in seinem ersten Marsjahr Hunderte solcher Ereignisse. "Bei einem Erdbeben breiten sich Energiewellen rasend schnell aus, brechen an Schichtgrenzen oder Materialien wie Magma ab, verlangsamen oder beschleunigen sich. Die Analyse dieser Signale offenbart die innere Struktur", so Persaud.

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Das InSight-Team nutzte genau diese Methode. Persaud betont die Überraschung über die geringe Kernessdichte: "Das liefert neue Einsichten in die Planetenbildung und das Sonnensystem. Kerne offenbaren die ursprüngliche Hitze, Abkühlungsgeschwindigkeiten und Entstehungsprozesse aller terrestrischen Planeten."

"Das Verständnis des Marskers ist ein Puzzleteil im großen Bild: Warum und wie entstanden die Planeten so, wie wir sie kennen?"

InSight, stationiert nahe dem Marsäquator, kämpft zunehmend mit Staub auf den Solarpaneelen und der wachsenden Sonnenentfernung. Dennoch sind seine Entdeckungen wegweisend. Der Kern könnte Hinweise auf ein uraltes Magnetfeld geben, das eine erdähnliche Atmosphäre schützte – und damit auf früheres Leben.

"InSight war ein technischer Triumph", sagt Persaud. "Seismische Daten haben wir bisher nur von Erde, Mond und Mars. Dieses Instrument verändert unsere Sicht auf den Roten Planeten. Zukünftig könnten Seismometer auf Europa oder anderen Welten radikal neue Perspektiven eröffnen."

"Die Zukunft der planetaren Seismologie ist hochspannend."