Haben Sie sich je gefragt, wer den Verkehr im All regelt? Seit 1976 überwacht die Vereinte Nationen Starts in den Weltraum. Das Büro der Vereinten Nationen für Weltraumangelegenheiten führt ein zentrales Register und sorgt dafür, dass geplante Missionen ausreichend voneinander getrennt sind.
Über 86 Prozent aller Satelliten, Sonden, Lander und bemannten Raumfahrzeuge, die seit 1976 gestartet wurden, sind bei den Vereinten Nationen registriert.
Aktuell umkreisen rund 6.250 Satelliten die Erde, davon etwa 3.900 noch betriebsbereit. Die Erdumlaufbahn ist jedoch von 28.210 größeren Weltraumschrott-Teilen und bis zu 129 Millionen winziger, nicht nachverfolgbarer Fragmente übersät. Diese Objekte werden von internationalen Agenturen – oft im Rahmen des Inter-Agency Space Debris Coordination Committee – mittels Radar und Optik überwacht.
Trotzdem wird es für Satellitenbetreiber zunehmend knifflig, katastrophale Zusammenstöße zu vermeiden. 2009 prallten Iridium 33 und Kosmos 2251 über Sibirien aufeinander. Der jüngste Beinahezusammenstoß ereignete sich am 9. April 2021: Ein US-Wettersatellit verfehlte nur um geschätzte 21 Meter ein Trümmerteil einer sowjetischen Rakete von 1971.
Experten warnen vor einer "kritischen Masse" an Weltraumschrott in wenigen Jahrzehnten, die eine einzige große Kollision zu einer unkontrollierbaren Kettenreaktion auslösen könnte – dem sogenannten Kessler-Syndrom.
Während Technologien zur Entfernung von Schrott entwickelt werden, gilt als unvermeidlich: Bald braucht der Weltraum ein professionelles Verkehrsleitsystem. Zukünftige Satelliten werden voraussichtlich mit autonomen Kollisionsvermeidungssystemen ausgestattet.
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Gefragt von: Ian Holden
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