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Tierische Astronauten: Warum Tiere und andere Lebensformen für Mondkolonisten unverzichtbar sind

Tausende von Raumfahrern befanden sich in schwebender Animation und drängten sich eng aneinander auf ihrem Schiff, das kurz vor der Mondlandung stand. Doch etwas lief schief.

Der Schiffscomputer löste versehentlich eine Abfolge von Befehlen aus, die die Motoren abschaltete. Das Raumschiff raste ungebremst auf die Mondoberfläche zu, während die Passagiere regungslos dalagen und nichts davon merkten. Der Aufprall war gewaltig: Staub wirbelte auf. Dennoch könnten sie überlebt haben.

Diese extrem widerstandsfähigen Kreaturen waren Bärtierchen – auch Wasserbären genannt –, winzige Mikroorganismen, die extreme Temperaturen, Drücke und Strahlung überstehen können. Hätten sie die Landung überstanden, wäre das ein Meilenstein: Kaum eine Tierart hat die Erde je so weit hinter sich gelassen.

Die missglückte Landung 2019 war nach Einschätzung der Arch Mission Foundation, einer gemeinnützigen Organisation, nicht katastrophal genug, um die Bärtierchen zu vernichten. Sie hatte die Tiere auf Disketten mit Informationen zur menschlichen Zivilisation befestigt, die an Bord der israelischen Mondsonde Beresheet waren – der ersten israelischen Mission zum Mond.

Ob sie tatsächlich überlebt haben, bleibt unklar, da die Absturzstelle vielleicht erst in Jahrzehnten untersucht wird, sagt Sprecher Doug Freeman. „Es ist unwahrscheinlich, dass die Disc zerstört wurde“, ergänzt er. Die Bärtierchen befanden sich im dehydrierten Zustand, der ihren Stoffwechsel pausiert. Theoretisch könnten sie Jahre später reaktiviert werden, falls sie intakt sind. Bisher hat keine andere Tierart so lange auf dem Mond überdauert.

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Früher glaubten viele, der Mond wimmele von Leben – von Waldschnepfen, die dort Sommer verbrächten, bis zu riesigen Mondtieren, wie der griechische Philosoph Philolaus annahm, die angeblich keinen Kot produzierten.

Heute sehen wir den Mond als unfruchtbar. Doch bei der Errichtung von Basen oder Stationen könnten wir Tiere und andere Organismen mitnehmen – neben Mikroben auf unseren Körpern.

Bärtierchen könnten bald Gefährten finden. Von Nahrung bis emotionale Unterstützung könnten Tiere auf dem Mond essenziell sein und helfen, die Erde zu schützen, während wir das Sonnensystem erkunden.

„Wir können nicht allein in den Weltraum fliegen“, sagt Cyrille Przybyla vom französischen Meeresforschungsinstitut Ifremer. „Wir müssen unsere Umwelt mitnehmen.“

Przybyla plädiert für bemannte Raumfahrt mit Pflanzen und Tieren. Er verweist auf den Film Silent Running (1972), wo Raumschiffe Wälder und Tierarten retten. „Meine Vision ähnelt diesem Film“, sagt er.

Sein Lunar Hatch-Programm testet Wolfsbarsch-Eier: Sie werden geschüttelt, vibriert und mit bis zu 5 g beschleunigt – simuliert Raketenstart und Mikrogravitation.

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Erfolgreich könnten sie in Mond-Aquakulturen ausgebrütet werden, mit Wasser aus dem Untergrund. Fisch als Proteinquelle und Heimaterinnerung, argumentiert Przybyla.

Die Eier halten Belastungen stand; nächster Test: Strahlung. Przybyla ist optimistisch – frühes aquatisches Leben ertrug vor 3 Milliarden Jahren kosmische Strahlung ohne Ozonschicht.

Erfolgreich könnte Lunar Hatch ins ESA-Moon-Village-Projekt aufgenommen werden, trotz 300 Konkurrenzvorschlägen.

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Fische emittieren wenig CO2; Abfall muss recycelt werden auf engem Raum.

Ein 2020-Bericht der University of Australia und International Space University schlägt Insektenfarmen vor: Grillen, Seidenraupen oder Palmrüsslerlarven – platzsparend und wassersparend.

Dennoch skeptisch: ESA-Experte Dr. Christophe Lasseur. „Tiere verbrauchen O2, erzeugen CO2 und Fäkalien. Wir fokussieren Pflanzen, Bakterien, Mikroalgen.“ Das Melissa-Projekt entwickelt Kreisläufe mit Spirulina, die CO2 in O2 umwandelt.

Tierische Astronauten: Warum Tiere und andere Lebensformen für Mondkolonisten unverzichtbar sind

Ob Tiere nötig sind, hängt von Proteinquellen und Transportkosten ab. ISS-Bewohner bekommen Essen von Erde, ergänzt durch Weltraum-Salat.

Doch Prof. Dr. Martina Heer (Uni Bonn) warnt: Täglich Kilogramm Nahrung pro Person – zu teuer für wachsende Kolonien.

Prof. Dr. Mike Dixon (Uni Guelph) betont: Langfristig muss vor Ort produziert werden. Er testet Gerste gegen Strahlung auf ISS und Mondlandern. „Psychologische Vorteile frischer Nahrung sind enorm.“ Fische und Insekten ideal; Pulverform unauffällig.

Nicht nur Essen: Prof. Dr. Nancy Gee (Virginia Commonwealth Uni) sieht Haustiere gegen Isolation. Hunde senken Stress; Insektenpflege half in Studien gegen Depressionen.

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Ethische Fragen sind zentral, sagt Gee. Natur mitnehmen könnte auch Erhaltung dienen – wie Silent Running.

Dr. Jekan Thanga (Uni Arizona) schlägt Mond-Arche in Lavaröhren vor: Samen, Sporen, Eier bei -180 °C lagern. 250 Raketenstarts nötig; Backup für Biodiversität oder Terraforming.

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Herausforderungen: Böden, Wasser, O2. Doch Prinzip steht: Raumfahrt nicht steril.

Zunächst antarktisartig isoliert, sagt Lasseur. Doch Verbindung zur Biodiversität essenziell, meinen Przybyla und Gee.

„Wie integrieren wir Tiere weiterhin in unser Leben jenseits der Erde?“, fragt Gee.

  • Erstmals in BBC Science Focus Magazine Ausgabe 364 – hier abonnieren

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