In den optimistischen 1960er-Jahren stellte Star Trek den Weltraum als letzte Grenze dar – ein unerschlossenes Wunderland mit spitzohrigen vulkanischen Genies und faszinierenden grünen Alien-Frauen. 56 Jahre später, mit der Premiere der zweiten Staffel von Star Trek: Picard, sucht die Menschheit weiter nach außerirdischem Leben. Doch der ersehnte Erstkontakt erscheint immer mehr wie Science-Fiction denn wie wissenschaftliche Realität.
Doch wie realistisch ist diese Einschätzung? Wie allein stehen wir wirklich im Universum?
„Auf diese Frage gibt es zwei Antworten“, erklärt Martin Dominik, Dozent an der School of Physics & Astronomy der University of St. Andrews. „Wissenschaftlich wissen wir es nicht. Es fehlen Beweise dafür, ob wir allein sind oder nicht.
„Philosophisch betrachtet ist das Universum jedoch enorm groß. Nehmen wir an, es gibt eine gewisse Wahrscheinlichkeit für lebensfreundliche Planeten und dass sich Leben mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit entwickelt, ergibt das eine sehr unwahrscheinliche Zahl. Selbst wenn nur ein Planet pro Galaxie Leben beherbergt, zählt die Milchstraße zu Hunderten Milliarden Galaxien. Leben wäre dann alltäglich.“
Diese Diskrepanz zwischen fehlenden Beweisen für außerirdisches Leben und der hohen statistischen Wahrscheinlichkeit seiner Existenz ist das berühmte Fermi-Paradoxon. Es geht auf den Physik-Nobelpreisträger Enrico Fermi zurück, der 1950 in einem Gespräch mit Kollegen das Rätsel des ausbleibenden Kontakts ansprach.
Ein Grund dafür, so Dominik: Das Universum ist schlicht zu weitläufig. „Unsere Erkundungsmittel sind begrenzt“, betont er. „Ernsthafte Suchen nach Leben umfassen nur einige Tausend Sterne – ein winziger Bruchteil des Raums.“
Mehr zu Star Trek und Wissenschaft:
- Star Trek-Style-Scanner erstellt einen „digitalen Zwilling“, um Ihre Gesundheit zu verfolgen
- Die Wissenschaft von Picard mit Dr. Erin Macdonald
- Rätselhafte DNA-Stränge, benannt nach Star Trek's Borgs, assimilieren Gene aus Wirtszellen
Bei einem so großen Universum und hoher Wahrscheinlichkeit für Leben sollte eine fortgeschrittene Zivilisation doch schon überall sein, oder?
Eine Erklärung: Jede Zivilisation, die interstellare Reisen meistert, zerstört sich zuvor selbst. Dominik schlägt ironisch vor: „Manche nennen es „die Suche nach dummem Leben“ – nach Rassen in atomaren Konflikten, deren Signaturen wir orten könnten.“
In jüngster Zeit gab es Fortschritte: Das Kepler-Teleskop entdeckte vor seiner Deaktivierung 2018 Tausende Exoplaneten, viele potenziell lebensfreundlich.
Die Hoffnung ruht auf dem James-Webb-Weltraumteleskop der NASA (9,7 Milliarden US-Dollar), das erdähnliche Exoplaneten analysieren und erdähnliche Atmosphären suchen soll. Dominik bleibt skeptisch: „Atmosphären verraten viel über Geologie, die mit Leben verknüpft ist. Doch kennen wir weder notwendige noch hinreichende Bedingungen für Leben. Wir müssen die Entstehung des Lebens besser verstehen – das ist eine große Lücke.“

Natürlich stellt sich die Frage: Ist der Kontakt zu intelligentem Leben das Höchste Ziel – oder unser Untergang? „Manche sehen es als Segen, andere als das Letzte“, sagt Dominik.
Die Entdeckung könnte unseren Kosmos-Blick verändern, ähnlich wie das erste Erd-Foto den Umweltschutz befeuerte.
Dominik zitiert eine 2011-Studie des Theologen Ted Peters: Fast niemand sah Probleme für den eigenen Glauben, viele für andere Religionen.
Doch wie Dominik mahnt: Wir könnten nie damit konfrontiert werden. „Ein Cartoon fasst es zusammen: „Sind wir allein?“ – „Ja, wir sind allein.“ – „Die Einzigen?“ – „Nein, die anderen sind auch allein.“ Das Universum könnte vor Leben wimmeln – wir erfahren es vielleicht nie.“