Australische Grippe, Schweinegrippe, Norovirus, Erkältung – das Oxford Dictionary definiert „Lurgy“ als „eine nicht näher bezeichnete oder unbestimmte Krankheit“. Egal, worunter Sie leiden: Hier enthüllen wir die Wissenschaft hinter gängigen Heilmitteln und geben klare Dos und Don’ts zur Behandlung winterlicher Beschwerden.
Erkältungen
Das Erkältungsvirus dringt in unsere Zellen ein, reprogrammiert sie und vermehrt sich rasant. Innerhalb weniger Stunden bevölkern Millionen Viren unseren Körper – kein Wunder, dass wir uns elend fühlen.
Unsere Immunabwehr reagiert massiv: Husten, Niesen, Rachenentzündung und vermehrter Schleim sind Abwehrstrategien gegen die Eindringlinge.
Über 200 Virustypen, vor allem Rhinoviren und Coronaviren, verursachen Erkältungen. Sie gelangen über kontaminierte Oberflächen wie Türklinken oder Nieser. Kinder sind Hauptüberträger und erkranken 7–10-mal jährlich, Erwachsene 2–5-mal. Symptome treten 2–16 Tage nach Infektion auf und dauern durchschnittlich eine Woche.
Zinkpräparate einnehmen
Das Mineral Zink hemmt die Virusvermehrung. Studien seit den 1980er Jahren bestätigen: Bei Einnahme innerhalb 24 Stunden nach Symptombeginn verkürzt Zink die Erkältungsdauer um bis zu 40 %. Mögliche Nebenwirkungen wie unangenehmer Geschmack oder Übelkeit sind vorübergehend; Langzeitschäden sind nicht bekannt.
Kein Ibuprofen
Paracetamol lindert Schmerzen besser als Ibuprofen (z. B. Nurofen), das Erkältungen verlängern kann, wie Forschungen der University of Southampton zeigen. Es dämpft Entzündungen und schwächt so die Immunantwort. Bei Kindern wirkt Ibuprofen hingegen positiv.
Nase warm halten
Kalte Nasen fördern Erkältungen: Eine Studie des Common Cold Centre an der Cardiff University kühlte die Nasen von 90 Studenten und fand doppelt so viele Erkältungen in der Folge. Prof. Ron Eccles erklärt: Kälte bremst weiße Blutkörperchen. Schals schützen effektiv.

Keine Antibiotika
Antibiotika wirken nur gegen Bakterien, nicht Viren. Sie verhindern auch keine Sekundärinfektionen und bergen Risiken wie Magenprobleme. Studien belegen: Der Verlauf bleibt gleich.
Vitamin C einnehmen
Linus Paulings These hält einer Prüfung stand: Eine Cochrane-Überprüfung (2013) zeigt, dass regelmäßiges Vitamin C Erkältungen verkürzt, besonders bei Extremsportlern. Keine Nebenwirkungen – ideal als Alternative zu Apothekenmitteln.
Kein Dampfinhalieren
Trotz Linderung des Schleims in manchen Studien überwiegen Risiken: Cochrane warnt vor Unbehagen, Verbrennungen und Verschlimmerung. Nicht empfehlenswert.

Grippe
Die Grenze zwischen Erkältung und Grippe ist fließend: Influenzaviren machen 5–15 % der „Erkältungen“ aus. Symptome bestimmen die Einordnung. Echte Grippe (Orthomyxoviridae) tritt plötzlich auf mit Fieber, Schmerzen und Schwäche; sie kann Komplikationen verursachen und dauert bis zu einer Woche.
Hände waschen
Regelmäßiges Händewaschen reduziert Infekte um bis zu 20 %, bei Kindern bis 38 %. Seife entfernt Viren mechanisch; Desinfektionsgele sind unklar wirksam.

Gesicht nicht berühren
Hände übertragen Viren über Nase und Augen. Prof. Eccles rät: Gesicht meiden!

Hühnersuppe essen
Forschung des Nebraska Medical Center und American Journal of Therapeutics bestätigt: Sie reduziert Entzündungen und stärkt via Carnosine die Immunabwehr.
Keine Virostatika allein
Tamiflu & Co. sind umstritten: Cochrane-Kritik an Studienqualität; Wirksamkeit unklar.
Grippeimpfung machen
Jährlich angepasst schützt sie vor schweren Verläufen, empfohlen für Risikogruppen.

Impfung jährlich erneuern
Viren mutieren; einjähriger Schutz reicht nicht.
Halsschmerzen
Die Kehle ist Frontlinie: Lymphgewebe wehrt Keime ab, Entzündungen verursachen Schwellung. 70 % viral bedingt (Pharyngitis).
Gurgeln
Warmes Salzwasser lindert Schmerzen; Kyoto-Studie: Wasser-Gurgeln verhindert Erkältungen.

Keine chinesischen Kräuter
Studien unzureichend; Risiken überwiegen.
Halspastillen
Amylmetacresol-haltige (z. B. Strepsils) lindern bewährt Schmerzen.
Schlechte Luft meiden
Rauch, Pollution und Kälte reizen; 28–31 % berichten davon.

Norovirus
Wintererbrechen infiziert Millionen; überlebt auf Oberflächen. Kein Heilmittel, aber Impfstoff in Entwicklung.
Flüssigkeit zuführen
Kleine Schlucke Wasser/Rehydrationslösung alle 3 Minuten.

Keine Desinfektionsmittel allein
Seife & Wasser überlegen; Desinfektionsmittel erhöhen Risiko (Studie American Journal of Infection Control).
Saisonale Depression (SAD)
Betroffen: 2 Mio. in UK, 12 Mio. Nordeuropa. Weniger Sonne stört Melatonin/Serotonin; genetische Faktoren möglich.
Lichttherapie
Speziallampen wirken antidepressiv (American Psychiatric Association).

Kein Vitamin D
University of Warwick: Kein Zusammenhang mit Depressionen.

[Dieser Artikel wurde erstmals im Januar 2018 veröffentlicht]