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Warum Fluchen guttut: Die Wissenschaft dahinter im Gespräch mit Expertin Emma Byrne

Fluchen ist in jeder Sprache verbreitet – sogar Schimpansen tun es. Aber warum fluchen wir eigentlich, und hat es Vorteile? Wir sprechen mit Emma Byrne, Autorin eines Buches zum Thema.

Warum schocken manche Wörter so sehr?

Das hängt mit gesellschaftlichen Tabus zusammen. Schimpfwörter drehen sich oft um Themen wie Religion, Sex, Körperfunktionen oder fragwürdige Herkunft – Dinge, die als heilig, privat oder peinlich gelten. Was als Beleidigung zählt, variiert jedoch je nach Kultur und Epoche.

Auf Englisch gab es früher Kinderreime mit rassistischen Inhalten, die heute undenkbar sind. Im französischsprachigen Kanada ist „Tabarnak“ (Tabernakel) ein extremes Schimpfwort, während es in Frankreich harmlos ist. Es kommt also nicht auf den Klang an, sondern auf Bedeutung und Kontext.

Wie wirkt Fluchen positiv auf uns?

Bekannt ist, dass Fluchen Schmerzen lindert. Eine Studie der Keele University aus 2017 ließ Studierende ihre Hände in Eiswasser tauchen und dabei entweder Schimpfwörter oder neutrale Wörter wiederholen. Die Fluchenden hielten die Hände deutlich länger aus.

Nachfolgestudien zeigten, dass Fluchen Herzfrequenz und galvanische Hautreaktion anhebt – jenes verschwitzte Gefühl bei Stress. Es aktiviert eine Kampf-oder-Flucht-Reaktion und macht schmerzresistenter.

Warum Fluchen guttut: Die Wissenschaft dahinter im Gespräch mit Expertin Emma Byrne

Gibt es weitere Vorteile?

Fluchen signalisiert starke Emotionen und ist ein wertvolles soziales Tool. Studien mit Schimpansen belegen: Sobald sie Tabus und Kommunikationsmittel wie Gebärdensprache lernen, erfinden sie Flüche.

Fluchen Schimpansen wirklich?

Bei Topftraining lernen Schimpansen, dass Toilettengänge tabu sind – es wird ihnen peinlich. Dann nutzen sie das Zeichen für „Kacken“ („schmutzig“), um Wut, Frust oder Bestürzung auszudrücken. So ventiliert man Emotionen, ohne physisch zu schaden.

Das könnte der Ursprung beim Menschen sein: In einem Stamm Proto-Menschen bei der Bisonjagd konnte man statt zuzuschlagen sagen: „Hey Zog, du hast das vermasselt!“ Fluchen half, Konflikte friedlich zu lösen, den Stamm zusammenzuhalten und Ideen zu verbessern, ohne Verletzungen.

Unterschiede zwischen Geschlechtern?

Lange galt: Frauen fluchen weniger. Doch Studien von Wissenschaftlerinnen widerlegen das. Frauen meiden Fluchen vor Männern, Männer vor Frauen – es ist gegenseitig unangenehm. Tatsächlich fluchen beide Geschlechter ähnlich. Frauen wählen mildere Wörter; vor Männern demonstrieren sie damit Kompetenz und Stärke. Unter Gleichen dient es bei Männern der Empathie mit Frust, bei Frauen eher scherzhaft – insgesamt ausgeglichen.

Flucht es in jeder Sprache?

Ja, aber Tabus unterscheiden sich. Im Niederländischen beziehen sich Flüche auf Krankheiten wie „Typhus“ oder „Krebs“ (Wortmagie: Benennen macht real). Im Deutschen können „Schwein“ oder „Hund“ Bußgelder nach sich ziehen. Im Nahen Osten beleidigt man Bärte als Angriff auf Männlichkeit.

Sollten wir mehr fluchen?

Nein, Schimpfwörter sollten nicht banal werden, sonst greifen wir zu rassistischen oder diskriminierenden. Wörter wie das „F-Wort“ oder „S-Wort“ sind universal: Jeder entsteht durch Sex und geht auf die Toilette.

Fluchen ist wie Paracetamol oder Joggen: Gut dosiert hilft es, übertrieben schadet es. Nutzen Sie es wie Gewürze beim Kochen – sparsam für den richtigen Kick.

Warum Fluchen guttut: Die Wissenschaft dahinter im Gespräch mit Expertin Emma Byrne