Lange dunkle Nächte und bittere Kälte deprimierten viele Menschen. Doch die Dänen bleiben unbeeindruckt. Im World Happiness Report 2016 wurde Dänemark als glücklichste Nation der Welt gekürt – trotz 16 Stunden Dunkelheit im Winter ohne viel Sonnenschein. Was ist ihr Geheimnis?
Der jährliche World Happiness Report bewertet Kriterien wie Pro-Kopf-Einkommen, Lebenserwartung, Freiheit bei Lebensentscheidungen, Großzügigkeit, Sozialhilfe und Korruptionsfreiheit in Regierung und Wirtschaft. Im 2017er Bericht, in dem Norwegen Dänemark überholte, analysierten Forscher Afrika, China, Glück am Arbeitsplatz, Lebensglück und die Rolle von Vertrauen als Basis stabiler Gesellschaften.
"Das Überraschendste ist, dass es wichtiger ist, Positives aufzubauen, als Negatives zu heilen", sagt John Helliwell, emeritierter Professor für Wirtschaftswissenschaften an der University of British Columbia und Mitherausgeber des Reports. "Der Bericht schärft das Bewusstsein für internationale Maßstäbe der Lebensqualität."

Helliwell und Team sehen Glück als besseren Wohlergehensindikator als isolierte Messgrößen wie Einkommen oder Gesundheit. Weniger Glücksunterschiede in Gesellschaften fördern höheres Wohlbefinden – doch global steigt die Ungleichheit.
Kann Geld Glück kaufen?
Reichtum spielt eine Rolle: Einkommen in glücklichsten Ländern sind über 25-mal höher als in unglücklichsten. "Einkommen erklärt internationale Unterschiede", betont Helliwell. "Ausreichende Ressourcen sind essenziell, aber nicht alles."
Meik Wiking, CEO des Happiness Research Institute in Kopenhagen, ergänzt: "Dänen trennen Reichtum von Wohlbefinden. Wir fokussieren auf Kleine Dinge wie Zeit mit Familie und Genuss."
Wiking, Autor von "The Little Book of Hygge: The Danish Way to Live Well", beschreibt Hygge ("Hooga") als mehr als Gemütlichkeit: "Es ist die Kunst, Intimität zu schaffen – mit Zusammengehörigkeit, Entspannung und Komfort. Wie eine Umarmung ohne Berührung."

Arbeit kann sogar glücklich machen. "Es kommt auf die Bedingungen, Kollegen und Vertrauen an", sagt Helliwell. "Hohes Vertrauen macht Wochentage so erfüllend wie Wochenenden."
Subjektives Lächeln
Kann Glück objektiv gemessen werden? Umfragen erfassen positive/negative Affekte und Lebensbewertungen – ähnlich wie Schmerzskalen in der Medizin, erklärt Helliwell.
Forscher wie Wataru Sato von der Universität Kyoto nutzen Gehirnscans: Hohe Zufriedenheit korreliert mit mehr grauer Substanz im Precuneus, beteiligt an Selbstreflexion.
In den Genen
Forscher der Vrije Universiteit Amsterdam identifizierten bei 298.000 Menschen drei Glücksgene, die mit Depressionssymptomen verknüpft sind. "Wohlbefinden fördern hilft auch gegen psychische Erkrankungen", sagt Prof. Meike Bartels.
Studien deuten auf Gene für sensorisches Vergnügen hin. Die University of Warwick fand: Je näher genetisch an Dänen, desto glücklicher Nationen – inklusive Serotonin-Transporter-Gen-Varianten.
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"Genetische Distanz zu Dänemark korreliert mit Lebenszufriedenheit", sagt Proto. Briten sind genetisch nah dran – Wetter hin oder her.
Glück ist Gesetz
Politiker handeln: David Cameron startete 2010 eine Glücksstudie; Glücksminister in Ecuador, UAE, Venezuela, Bhutan. USA prüfen Zufriedenheitsdaten für Politik.
"Noch kein globaler Trend", warnt Helliwell. "Verbesserungen könnten Erwartungen heben."
Wie Benjamin Franklin sagte: "Glück sind tägliche Annehmlichkeiten, nicht seltene Glücksfälle."