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Bizarre Heilmittel vor 250 Jahren: Encyclopædia Britannica enthüllt medizinische Mythen

In den letzten 250 Jahren hat sich unsere Welt grundlegend verändert. Noch keine Revolutionen in Amerika oder Frankreich, Australien wartete auf seine Entdeckung, und Planeten wie Uranus, Neptun oder Pluto waren unbekannt. Keine Telefone, kein Strom, keine Züge oder Autos – geschweige denn Raumfahrt. Medizinische Meilensteine wie Aspirin, Penicillin oder Röntgenstrahlen fehlten ebenso wie das Periodensystem oder Einsteins Relativitätstheorie. Figuren wie Napoleon, Lincoln, Darwin und Einstein waren noch nicht geboren.

Eine Institution überdauerte jedoch diese Epoche: Die Encyclopædia Britannica, das älteste kontinuierlich publizierte und aktualisierte Nachschlagewerk in englischer Sprache seit 1768. Nach der letzten gedruckten Ausgabe 2012 lebt es digital auf britannica.com weiter.

Dank ihrer Langlebigkeit spiegelt die Britannica die Evolution des Wissens wider. Dies beleuchtet die neue Jubiläumsausgabe Encyclopædia Britannica Anniversary Edition: 250 Years of Excellence (1768-2018), ein 735-seitiger Band. Er hebt sieben wissenschaftliche Mythen der letzten 250 Jahre hervor – inklusive bizarrer Heilmittel, an die man einst glaubte.

Kahlheit – Fuchsurin und Zwiebeln

Eine frisch geschnittene Zwiebel mit Wein: Kein Rezept fürs Abendessen, sondern ein Heiltrank gegen Kahlheit. Die Britannica (4. Auflage, 1801–1809) beschreibt im Eintrag zu „Alopecia“, dass diese Zutaten – richtig zubereitet – neues Haar wachsen lassen konnten, sogar gegen den „Hauptfeind der Follikel“: Fuchsurin.

Taubheit – Ameiseneier und Zwiebeln

Taubheit brachte unzählige „Wunderheilungen“: Pfeffer schlucken, Urin trinken, Aderlass oder Tomaten. Die 1. Auflage (1768–71) ergänzt: Ameiseneier, Zwiebeln, Weißwein und Rauch ins Ohr blasen – ein klassisches Volksmittel.

Aderlass – Ein detaillierter, schmerzhafter Leitfaden

George Washington erkältete sich 1799 nach einem Ritt. Seine Ärzte verabreichten Melasse-Gurgelmittel, Einläufe, Käferkompressen und bluteten ihn mehrmals aus – bis zu der Hälfte seines Blutes. Er starb zwei Nächte später im Schock. Martha Washington war entsetzt; ein Arzt riet später zu Schnitten näher am Hals.

Aderlass, eine der ältesten medizinischen Praktiken, war bis vor 150 Jahren Standard gegen alles von Migräne bis Psychosen. Die Britannica (1. Auflage) bot eine Schritt-für-Schritt-Anleitung: Nur auf einem Bett durchführen, da Patienten ohnmächtig werden konnten.

Schiefe Augen – Eine ansteckende Krankheit

Strabismus galt im 18. Jahrhundert als ansteckend (1. Auflage): „Eine ungleichmäßige Kontraktion der Augenmuskeln durch Krämpfe, Epilepsie oder Lähmung.“ Säuglinge erkrankten durch falsche Wiegenposition, Kinder durch Nachahmen. Heilung: Masken mit Löchern oder Schutzbrillen.

Schlaganfall – Die Halsschlagader durchtrennen

Gegen Apoplexie (1. Auflage): Arm aderlassen oder Halsschlagader schneiden, reiben, Patienten herumlaufen lassen und Tabakrauch in Mund/Nase blasen.

Zahnen – Blutegel und Marshmallows

Mark Twain spottete: Adam und Eva entgingen dem Zahnen. Für Kinder riet die 1. Auflage: Blutegel unter den Ohren, Zahnfleisch einschneiden, Opiate oder Marshmallow-Mohn-Sahne-Mischung.

Tuberkulose – Pferdereiten, Kreuzfahrten oder begraben

Schwindsucht, romantisiert als Krankheit Feinsinniger, wurde mit Aderlass behandelt. Reiten oder Seereisen sollten die Lunge stärken. Später (2. Auflage): Patient bis zum Kinn eingraben, mit Salbe einreiben – immer neue Grube.