Vier Patienten mit schweren Rückenmarksverletzungen können dank einer innovativen Technik wieder gehen. Diese Kombination aus elektrisch stimulierenden Implantaten und gezielter Physiotherapie wurde von Forschern der University of Louisville entwickelt.
In der Studie konnten alle vier Patienten unabhängig stehen, und zwei von ihnen gingen mit Gehhilfen wie Rollatoren oder Balancestangen – trotz Verletzungen vor mehr als zwei Jahren.
„Diese Forschung zeigt, dass eine Verbindung zwischen Gehirn und Wirbelsäule Jahre nach einer Rückenmarksverletzung wiederhergestellt werden kann. Teilnehmer mit vollständiger motorischer Lähmung konnten ohne körperliche Unterstützung stehen, gehen, Rumpfmobilität zurückgewinnen und motorische Funktionen mit dem epiduralen Stimulator wiedererlangen“, erklärt Prof. Susan Harkema, stellvertretende Direktorin des Kentucky Spinal Cord Injury Research Center. „Wir müssen diese Arbeit – idealerweise mit fortschrittlicher Stimulatortechnologie – auf mehr Patienten ausweiten, um das volle Potenzial für die 1,2 Millionen Betroffenen weltweit zu nutzen.“
Die Therapie nutzt intakte Nervenverbindungen über der Verletzungsstelle. Implantate unterhalb der Läsion senden elektrische Impulse, die das Rückenmark aktivieren. Dies macht es empfindlich für Gehirnsignale, ermöglicht die Wiederbelebung von Beinen und das Erlernen von Gangmustern durch Training. In Sitzungen simulieren Experten das Gehen auf einem Laufband mit Gurtunterstützung.
Der genaue Mechanismus ist noch nicht vollständig erforscht. „Nun beginnt die echte Herausforderung: zu verstehen, wie und warum es wirkt und welche Patienten profitieren“, betont Co-Hauptprüferin Kristin Zhao.
Ohne Stimulation scheiterten acht bis neun Wochen Training. Nach Implantation konnten alle stehen, zwei gingen mit Hilfsmitteln.
„Epidurale Stimulation gewinnt an Bedeutung für Bewegungs-, Herz-Kreislauf- und Blasenkontrolle“, sagt Maxwell Boakye, klinischer Direktor des Centers. „Sie wird Standard, mit gezielteren Designs.“
Fallbeispiele

Jeff wurde 2011 nach einem Mountainbike-Unfall in Montana von der Brust abwärts gelähmt. Nach Implantation und intensiver Rehab machte er als Erster bilaterale Schritte.
„Die ersten Schritte waren eine Überraschung. Ich verbessere mich täglich, koche und putze wieder selbstständig. Ich unterstütze diese Forschung für Millionen Betroffene“, freut sich Jeff.

Kelly, leidenschaftliche Reiterin und Sportlerin, wurde 2014 nach einem Autounfall von der Hüfte abwärts gelähmt. Trotz Ärzteprognose geht sie nun eigenständig.
„Diese Studie gab mir Hoffnung. Der erste unabhängige Schritt war unvergesslich – emotional und bahnbrechend. Forschung und Technologie vollbringen Wunder“, berichtet Kelly.