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Psilocybin-Therapie bei therapieresistenter Depression: Kann Psilocybin aus Zauberpilzen das Gehirn neu verdrahten?

Kirk konnte den Tod seiner Mutter nie verwinden. Als sie 2011 nach langer Krankheit starb, kümmerte sich der 47-jährige IT-Spezialist um die Organisation der Beerdigung und administrative Aufgaben. Während sein Vater und Bruder weitermachten, kämpfte Kirk mit dem Verlust.

'Nach der Beerdigung blieb eine tiefe Leere, die anhielt, bis ich überwältigt war', sagt er. 'Sechs Monate später redete ich immer noch darüber und fragte mich, ob ich nicht endlich darüber hinweg sein sollte. Ich fühlte mich nicht besser – im Gegenteil, chronisch traurig.'

Kirk fiel in eine schwere Depression, die sein gesamtes Leben beeinträchtigte. Wöchentliche Therapie über ein Jahr half nicht. Antidepressiva vom Hausarzt machten ihn zum 'Zombie'. 'In der Therapie sprach ich über alles, nur nicht über die Trauer – das war zu schmerzhaft', berichtet er.

Jedes Jahr werden im Vereinigten Königreich Tausende Depressionen diagnostiziert, die Zahlen steigen. Studien zeigen: Mehr als die Hälfte reagiert nicht auf das erste Antidepressivum. Viele erleben Behandlungsabbrüche und Rückfälle.

Forscher am Imperial College London, geleitet von Dr. Robin Carhart-Harris, untersuchten, ob Psilocybin – der Wirkstoff in Zauberpilzen – bei psychiatrischen Erkrankungen helfen kann. In einer klinischen Studie testeten sie es an Patienten mit therapieresistenter Depression wie Kirk.

Das psychedelische Spa

'Gehirnbildgebungen deuten auf antidepressive Effekte hin', erklärt Carhart-Harris. 'Psychedelika lösen das Ego vorübergehend auf und ermöglichen emotionale und existenzielle Einsichten.'

Frühere Studien zeigten langfristiges Wohlbefinden nach Psilocybin und Vorteile bei Krebspatienten mit Angst und Depression. Carhart-Harris testete es bei therapieresistenten Fällen. Trotz bürokratischer Hürden und Finanzierungsproblemen startete die Studie nach drei Jahren – Kirk war darunter.

'Ich wollte etwas Heilsames, nicht nur Symptomunterdrückung', sagt Kirk. Nach Interview, Fragebogen und Orientierung nahm er Psilocybin in einem entspannenden Raum mit Augenbinde, Kopfhörern und kuratierter Musik ein.

'Es war wie ein psychedelisches Spa mit Decken, Kerzen und Aromatherapie – sehr beruhigend', lacht er.

Psilocybin-Therapie bei therapieresistenter Depression: Kann Psilocybin aus Zauberpilzen das Gehirn neu verdrahten?

Der intensive Trip unter Aufsicht

19 Teilnehmer erhielten zwei Dosen (10 mg und 25 mg) im Wochenabstand mit MRT-Scans. Die höhere Dosis erzeugte starke psychedelische Effekte.

'Es ist eine große Reise in kontrollierter Umgebung mit Psychiatern, Musik und Notfallteam', beschreibt Carhart-Harris. 'Sie löst Ego-Auflösung und Einheitsgefühl aus – wie eine mystische Erfahrung.'

Psilocybin-Therapie bei therapieresistenter Depression: Kann Psilocybin aus Zauberpilzen das Gehirn neu verdrahten?

Bei Kirk führte die hohe Dosis zu Visionen und emotionaler Katharsis. 'Die Musik trug mich durch Landschaften. Plötzlich kam die Trauer hoch – ich weinte so sehr, dass ich die Augenbinde auswrang.'

Dies half ihm, die unterdrückte Trauer zu verarbeiten. 'Danach fühlte ich mich entspannt, schlief gut. Eine Woche später spürte ich Optimismus – etwas, das ich lange vermisst hatte. Ich bin aktiver bei Arbeit und Freunden.'

Die Studie zeigte beeindruckende Ergebnisse: Wenige Nebenwirkungen wie Übelkeit, Symptomreduktion bei allen, stärkste bei intensiven Trips. Kirk fühlt sich zwei Jahre später wohl, ohne Medikamente.

Gehirnscans offenbarten: Psilocybin zerlegt das Default-Mode-Netzwerk (verknüpft mit Selbst und innerer Welt) und formt es neu. Die Amygdala wurde emotional reaktiver – anders als bei herkömmlichen Antidepressiva.

'Depressionen fixieren im Default-Mode-Netzwerk. Psilocybin rüttelt es auf und ermöglicht gesünderes Neusetzen mit Verbundenheitsgefühl', sagt Carhart-Harris.

Nicht zu Hause ausprobieren

Trotz Erfolgen warnt Carhart-Harris: Keine Selbstmedikation. Psilocybin ist in Großbritannien Klasse-A-Droge mit hohen Strafen. Risiken: Psychologische Vulnerabilität erfordert professionelle Betreuung.

Eine Folgestudie vergleicht Psilocybin mit Escitalopram. Potenzial für Angst, Essstörungen, OCD, PTSD und Frühinvention bei Depressionen.

'Viele meiden Antidepressiva zurecht – Psilocybin könnte Alternative sein', betont er.

Psilocybin-Therapie bei therapieresistenter Depression: Kann Psilocybin aus Zauberpilzen das Gehirn neu verdrahten?

Trotz Skepsis durch historische Missbräuche (z.B. Militärexperimente, Leary) wird Forschung privat finanziert. Compass Pathways plant große Europa-Studie.

'Risiken ernst nehmen, solide Basis schaffen – für einen Paradigmenwechsel in der Psychiatrie', fordert Carhart-Harris.

WARNUNG: Psilocybin und Zauberpilze sind Klasse-A-Drogen. Besitz droht bis zu 7 Jahren Haft, hohe Bußgelder. Hilfe: bit.ly/drug_support

[Erstveröffentlichung: Februar 2018]