Wie unterstützt Schlaf die Verarbeitung von Informationen?
Es gibt überzeugende Belege dafür, dass Erinnerungen während des Tiefschlafs mit langsamen Wellen konsolidiert werden. In wachen Stunden speichern Gehirnzellen Informationen zunächst im Hippocampus, dem zentralen Gedächtnisbereich. Diese Erinnerungen sind zunächst schwach; im Schlaf werden neuronale Netzwerke zwischen Hippocampus und dem restlichen Gehirn aktiviert, um sie zu festigen.
Mittels EEG (Elektroenzephalographie) erkennen wir charakteristische Gehirnwellenzyklen, die für diese Konsolidierung entscheidend sind. Unsere Forschung beleuchtet zudem tiefere, qualitative Prozesse der Informationsverarbeitung – ein aufstrebendes Feld.
Wie testeten Sie den Einfluss von Nickerchen auf die Einsichtsfähigkeit?
Wir entwickelten eine Aufgabe mit emotional konnotierten Wörtern. Ein Wort wurde für unter 50 Millisekunden (eine Zwanzigstelsekunde) präsentiert und sofort maskiert, sodass es unbewusst blieb. Danach folgte ein Zielwort, das ähnlich oder unähnlich war – etwa „schlecht“ gefolgt von „unglücklich“ oder „glücklich“. Teilnehmer drückten eine Taste mit „gut“ oder „schlecht“; wir maßen die Reaktionszeit. Ähnliche Wörter führten zu schnelleren Reaktionen, da die Verarbeitung unterschiedlicher Begriffe länger dauert.
Anschließend erhielten die Teilnehmer entweder eine Wach- oder Schlafphase. Die Wachgruppe konnte Filme schauen oder lesen, blieb aber wach. Die Schlafgruppe durfte 90 Minuten ruhen.
Ergebnis: Nickerchen-Teilnehmer reagierten deutlich schneller auf Zielwörter. Diese Pilotstudie umfasste 16 Personen unterschiedlichen Alters. Nächste Schritte: Größere Stichprobe, EEG zur Identifikation wirksamer Schlafphasen und Übernachtungstests. Kurze Schlafphasen verbessern Gedächtnis und Denken – doch ist ein 15-minütiges Nickerchen tagsüber effektiver als 15 Minuten mehr Nachtschlaf?
Warum fokussierten Sie auf Nickerchen?
Wir prüften, ob Schlaf unabhängig von Tages- oder Nachtzeit die Informationsverarbeitung und Entscheidungsfindung fördert. Tagsüber unterscheiden sich Hormonspiegel und Lichtverhältnisse; unser Design kontrolliert diese Variablen. Ein Schlafzyklus – von leichtem über tiefen Schlaf bis REM – dauert etwa 90 Minuten. Daher wählten wir diese Dauer, um wesentliche Phasen abzudecken.
Welche praktischen Anwendungen ergeben sich daraus?
Schlafstörungen beeinträchtigen nicht nur Kognition und Psyche, sondern die gesamte Gesundheit. Bei Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder Demenz beobachten wir Defizite in Einsicht und Entscheidungen. Schlafoptimierung – durch Hygiene, Geräusche oder Medikamente zur Tiefschlafförderung – könnte hier helfen. Als Schlafforscher sehe ich großes Potenzial für einfache und innovative Interventionen.