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Burnout und chronische Müdigkeit besiegen: Wissenschaftliche Ursachen und effektive Strategien

Können Sie Ihre Augen lange genug offen halten, um diesen Artikel zu lesen? Kein Problem, wenn nicht. Das Royal College of Psychiatrists berichtet, dass einer von fünf Menschen sich irgendwann ungewöhnlich müde fühlt, und jeder Zehnte leidet dauerhaft darunter. Eine Umfrage unter Hausärzten zeigt: Müdigkeit und Erschöpfung sind für 20 Prozent der Arztbesuche in Großbritannien verantwortlich. Kein Wunder, dass Ärzte das Akronym TATT (Tired All The Time) routinemäßig in Notizen vermerken. Oder dass der Verkauf von Energy-Drinks von 2006 bis 2014 um 155 % gestiegen ist. Wir leben in einer erschöpften Nation.

Müdigkeit ist kein Witz. Schlafentzug belastet Geist und Körper schwer. Das Verkehrsministerium gibt an, dass rund 20 Prozent der Unfälle auf Hauptstraßen schlafbedingt sind. Forscher der University of Pennsylvania warnen: Schlafmangel mindert die Fähigkeit zu positivem Denken und erhöht das Depressionsrisiko. Zudem steigt das Risiko für Fettleibigkeit, Herzkrankheiten, Diabetes und Schlaganfall.

Selbst bei ausreichend Schlaf kann ständige Müdigkeit schaden. Studien der University of Alabama belegen: Anstrengung in erschöpftem Zustand treibt den Blutdruck hoch, da Betroffene kompensieren müssen.

Für Patienten mit chronischem Erschöpfungssyndrom (CFS/ME) oder Krebs einschränkt sie die Lebensqualität massiv. Millionen spüren unerklärliche Müdigkeit. Liegt es am hektischen 24/7-Lebensstil? Warum fühlen wir uns ständig erschöpft?

Langjährig fehlten Erkenntnisse zu biologischen Prozessen hinter Müdigkeit. Doch mit steigender Prävalenz von CFS/ME fließen Forschungsgelder. Es zeigt sich: Müdigkeitsformen sind vernetzt, Ursachen interagieren.

Prof. Julia Newton, Direktorin des Newcastle Center for Fatigue Research an der Newcastle University, erklärt es glockenförmig: „Am einen Ende: Schlaf und Lebensstil anpassen. Am anderen: Krankheiten. Dazwischen der breite Mittelteil.“

Diese Mitte umfasst Kombinationen aus Umwelt, Lebensstil und Gesundheit. Genetik, Zellfunktion, Entzündungen und Gehirnreaktion auf Licht spielen eine Rolle.

Müde Körper

Zellulär fokussieren Forscher Mitochondrien – die Kraftwerke unserer Zellen. Sie wandeln Sauerstoff, Zucker, Fette und Proteine in ATP um, die Energie für Gehirn und Muskeln. Mitochondrienstörungen verursachen Erschöpfung, oft durch Enzymmangel.

Dr. Robert Naviaux’ Studien zu CFS/ME zeigen veränderte Mitochondrienfunktion, ausgelöst durch Stress wie Infektionen oder Traumata.

Naviaux vergleicht: Stress versetzt in energiesparende Zustände wie Winterschlaf. „Mitochondrien kontrollieren das“, sagt er.

Diese Forschung passt zu Beobachtungen: Hohe Leptinspiegel (aus Fettgewebe) korrelieren mit Müdigkeit – das Gehirn signalisiert „genug Energie“. Intermittierendes Fasten und Fettreduktion boosten oft Energie anekdotisch.

Bei CFS/ME finden sich hohe Leptin- und Zytokinspiegel (entzündungsfördernd). Mäuseexperimente: Leichte Entzündung raubt Energie. Niederländische Studie testet Anakinra bei CFS/ME.

Newton betont: „Alltagsmüdigkeit hängt mit chronischen Erkrankungen zusammen – getrennt sind sie nicht.“

Natürlich schläfrig

Manche sind genetisch anfälliger. University of Edinburgh-Analyse von 111.749 UK Biobank-Teilnehmern: Müdigkeit verknüpft mit Diabetes, Schizophrenie, hohem Cholesterin, Fettleibigkeit. Prof. Ian Deary: „Genetische Stressanfälligkeit.“ Doch Umwelt dominiert.

Tageslicht ist entscheidend. Der Nucleus suprachiasmaticus (SCN) im Hypothalamus steuert via Licht unseren Rhythmus: Wachhormone tags, Melatonin nachts.

Regelmäßige Gewohnheiten synchronisieren das. Blaues Licht von Screens stört – nachts täuscht es Tag vor.

Burnout und chronische Müdigkeit besiegen: Wissenschaftliche Ursachen und effektive Strategien

Chronobiotika wie Agomelatin regulieren den Rhythmus, reduzieren Müdigkeit.

Newton in ihrer Klinik: Viele übersehen Offensichtliches. „Viele verbinden Tagesmüdigkeit nicht mit schlechtem Schlaf. Führen Sie ein Aktivitätstagebuch: Wann ruhen Sie wirklich? Facebook zählt nicht.“

„Wir rennen im Hamsterrad. Das ist nicht nachhaltig – körperlich und mental.“

[Dieser Artikel wurde ursprünglich im Oktober 2017 veröffentlicht]