Intensive Kampagnen von Eltern schwer epileptischer Kinder haben zu einem Meilenstein geführt: Ärzte dürfen nun medizinisches Cannabis verschreiben. Britische Arzneimittelgesetze hatten jahrelang Forschung und Verschreibung cannabisbasierter Präparate behindert – obwohl Cannabinoide bei Epilepsie, Angststörungen und Schmerzen vielversprechend wirken. Dies könnte der Startschuss für tiefgreifende Reformen bei der Einstufung weiterer Substanzen sein.
Umfangreiche Studien belegen: Schedule-1-Drogen wie MDMA (Ecstasy) und Psilocybin (Magic Mushrooms) entfalten in Kombination mit Psychotherapie positive Effekte bei Depressionen, Angststörungen und posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS, siehe BBC Focus Ausgabe 330).
Experten erwarten 2019 und später erweiterte Studien; erste Therapien könnten in fünf bis zehn Jahren zugelassen werden.
„Die medizinische Community, Öffentlichkeit, Förderer und Behörden verschieben ihre Haltung“, erklärt Dr. Charles Grob, Professor für Psychiatrie und Spezialist für Halluzinogene, Drogenmissbrauch und Stimmungsstörungen. „Das Tabu bröckelt – nun können Wirksamkeit und Sicherheit objektiv bewertet werden.“
Es geht nicht um einfaches Einnehmen: Vorabprüfungen auf Eignung und Wirksamkeit sind essenziell, ergänzt durch intensive, stundenlange Therapiesitzungen – Grobs „erweiterte Psychotherapie“.
„Mehrere Vorgespräche schaffen Rapport, gefolgt von einer langen Behandlungssession und Nachbesprechungen“, beschreibt Grob. „Anders als bei täglichen Pillen über Monate oder Jahre.“
Psilocybin, Halluzinogen aus Magic Mushrooms, zeigt in Studien Erfolge: Bei Krebspatienten lindert es existenzielle Ängste, bei Alkoholismus und Rauchen hilft es nachweislich. Obwohl 2005 im UK verboten, verspricht es Therapiepotenzial.
MDMA wirkt bei therapieresistenter PTBS; die US-FDA kürte es 2017 zur „Breakthrough Therapy“, was Studien beschleunigt.
Ketamin (Klasse B im UK, medizinisch als Anästhetikum genutzt) bekämpft schwere Depressionen und bipolare Störungen – oft mit einer Dosis anhaltender Besserung.
Ayahuasca, amazonisches Schamanenbräu, wird erst erforscht: Frühe Daten deuten auf Nutzen bei Sucht und Trauma hin.
Neustart des Gehirns
Warum eignen sich Psychedelika für komplexe psychische Erkrankungen?
„Der ‚Default Mode Network‘-Mechanismus deutet darauf hin, dass Psychedelika das Gehirn ‚offline‘ nehmen und neu booten“, erläutert Grob. „Oder sie erzeugen mystische, psycho-spirituelle Erlebnisse, die Heilung fördern.“
Mystische Erfahrungen sind wissenschaftlich knifflig; regulatorische Hürden für Schedule-1-Stoffe erschweren Finanzierung und Lizenzen. „Das vervielfacht Kosten um das Zehnfache und verzögert Studien um ein Jahr“, kritisiert Prof. David Nutt, Neuropsychopharmakologe und Ex-Drogenberater.
Grob ist optimistisch: „Unsere Kultur ist reif für eine Neubewertung.“
Weitere Infos und Hilfe bei Drogenproblemen: bit.ly/drug_support
Die Zombie-Droge

„Spice“ – getrocknete, chemisch behandelte Pflanzen, die THC imitieren – wirkt intensiver und unvorhersehbarer auf Stimmung, Schmerz, Appetit und Gedächtnis.
Stärkere, längere Effekte als Cannabis führen zu Trance, Krämpfen – Medien nennen es „Zombie-Droge“. Risiken: Sucht, Atemnot, Panik, Psychosen.
Ähnliche „Legal Highs“ verboten seit 2009, doch neue Varianten umgehen Verbote. Häufig in Gefängnissen und vulnerablen Gruppen.
