Wir hören ständig Empfehlungen, was wir essen sollten, um abzunehmen, Krebs vorzubeugen oder besser zu schlafen. Doch was, wenn Kürbiskerne oder Papaya bei Ihnen einfach nicht wirken? Nicht jeder Körper reagiert gleich auf Standard-Ernährungsratschläge aus Medien und Kampagnen. Ernährungsexperten wie Ahmed El-Shomey, Nutrigenomik-Spezialist an der University of Toronto, plädieren stattdessen für genotypbasierte Diäten: Mahlzeiten, die perfekt auf Ihre DNA abgestimmt sind. Die Zukunft? Personalisierte Ernährung.
Wir wissen seit Langem, dass jeder Lebensmittel unterschiedlich verarbeitet. Nun ergänzen genetische Daten dieses Wissen und erklären individuelle Vorlieben und Probleme.
Viele haben Mühe mit Milchprodukten. „Einige Menschen können Laktose – den Hauptzucker in Milch – abbauen, andere nicht“, erklärt El-Shomey. „Bei Laktoseintoleranz fermentiert sie im Dickdarm und verursacht Durchfall, Blähungen und Unwohlsein.“ Der Grund: Fehlende Variationen im LCT-Gen, wie genomische Analysen zeigen.
Ähnlich bei Koffein: Eine Variation im CYP1A2-Gen erlaubt manchen vier Tassen Kaffee täglich ohne Risiken, während andere schon bei zwei ihr Herzinfarkt- oder Diabetesrisiko steigern.
Auch Ihr Darmmikrobiom spielt eine Rolle. Israelische Forscher zeigten 2017: Die Bakterienmischung bestimmt, ob Brot den Blutzuckerspiegel stark ansteigen lässt. Mit Mikrobiom-Daten prognostizierten sie präzise, ob Sauerteig- oder Weißbrot besser passt.
Ihr perfekter Teller
Brauchen wir bald Genomsequenzierung fürs Abendessen? Nicht zwingend. Einfache Tests wie Blutzuckermessungen nach Mahlzeiten zeigen reale Reaktionen – unabhängig von Genen allein. Wichtig: Ernährungsreaktionen entstehen aus DNA und Lebensstil.
Dennoch: Gentests sind einfach und langfristig wertvoll, betont El-Shomey. „Sie offenbaren lebenslange Stoffwechselunterschiede zuverlässiger als viele andere Tests.“

Das klingt futuristisch, ist es aber nicht. 2011 gründete El-Shomey Nutrigenomix, das Speicheltests für 8.000 Kliniken in 40 Ländern anbietet. Die Nutrigenomik boomt – mit mehr Forschung und Anbietern.
Kampf gegen Fett: Das FTO-Gen
Aktuelle Forschung fokussiert das FTO-Gen (Fat Mass and Obesity-associated), das Stoffwechsel und Energie reguliert. Bereits 2007 verband eine britische Studie es mit Diabetesrisiken. Neu: Es beeinflusst Bariatrienergebnisse und Gewichtsverlust bei proteinreicher Ernährung.
Personalisierte Tipps am Familientisch? El-Shomey: „Wir passen Mahlzeiten schon lange an – mehr Salz, kein Dessert, extra Gemüse. Personalisierte Ernährung ist der logische nächste Schritt.“
So starten Sie: Machen Sie einen Test
Viele Firmen bieten DNA-Analysen an. Schicken Sie eine Speichelprobe ein – Wissenschaftler prüfen Varianten zu Stoffwechsel und Risiken. Ergebnisse zeigen Gefahren und Ernährungsanpassungen.
Nutrigenomix liefert detaillierte Berichte: Wie verarbeiten Sie Proteine, Fette, Vitamine, Koffein, Gluten? Mit Insights wie „Hohe Zuckervorliebe“ und Tipps wie „20-30 % Energie aus Fett“. Der Rest liegt bei Ihnen.