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Warum Lügen sich schneller verbreiten als Fakten: Erkenntnisse einer MIT-Studie

Mark Twain soll gesagt haben: Eine Lüge ist halb um die Welt gereist, bevor die Wahrheit sich die Stiefel anzieht. Ob er das wirklich sagte, ist umstritten – doch aktuelle Forschung bestätigt den Kern: Fehlinformationen verbreiten sich auf Plattformen wie Twitter rascher als Fakten. Der Grund? Unser menschlicher Hang zu Neuem und Aufregendem.

In einer wegweisenden Studie, veröffentlicht Anfang 2018 in der Zeitschrift Science, untersuchten MIT-Forscher 126.000 Tweets von rund drei Millionen Nutzern zwischen 2006 und 2017. Alle Geschichten stammten von renommierten Fact-Checking-Seiten wie snopes.com und factcheck.org und waren als wahr oder falsch verifiziert. Ergebnis: Falsche Nachrichten erreichten bis zu 100.000 Nutzer, echte selten mehr als 1.000. Lügen wurden 70 % wahrscheinlicher retweetet, und Wahrheiten brauchten im Schnitt sechsmal länger, um 1.500 Menschen zu erreichen.

War es der Einfluss prominenter Accounts? Im Gegenteil: Lügnerische Tweets kamen meist von Nutzern mit wenigen Followern und geringer Aktivität. Auch Bots waren nicht der Schlüssel – selbst nach deren Entfernung blieben die Muster bestehen.

Die Analyse der Tweet-Inhalte offenbarte: Lügen wirkten neuer und emotionaler. Reaktionen zeigten oft Überraschung oder Abscheu. Prof. Sinan Aral, Leiter der Studie, erklärt: „Neuheiten ziehen Aufmerksamkeit auf sich. Sie signalisieren ‚Insiderwissen‘ und steigern den sozialen Status des Teilers.“ Lügen triggern Emotionen und machen Teilen belohnend.

Warum fallen wir darauf herein? Psychologische Langzeitforschung zeigt: Wir sind kognitive Geizhälse, urteilen oberflächlich – beeinflusst von Verständlichkeit, Beliebtheit und Bestätigungsvoreingenommenheit. Die Studie beleuchtet die Verbreitung, nicht das Glaubenssystem dahinter.

Die Wahrheit ist klar: Lügen rasen voraus. Nun gilt es, Gegenstrategien zu entwickeln.