Alkoholmissbrauch ist eine ernste Gefahr. In Großbritannien verursacht er jährlich rund 8.000 Todesfälle, mit enormen gesellschaftlichen Kosten. Die Behandlung alkoholbedingter Erkrankungen belastet den NHS mit 3,5 Milliarden Pfund pro Jahr, und 70 Prozent der nächtlichen Gewaltvorfälle hängen mit Alkohol zusammen.
Viele Menschen genießen Alkohol moderat, ohne Schaden zu nehmen. Doch Schätzungen zufolge leiden 9 Prozent der Männer und 3 Prozent der Frauen im Vereinigten Königreich unter Alkoholabhängigkeit. Die Prognose ist düster: Über 80 Prozent der Behandelten rückfällig innerhalb von vier Jahren, viele brechen Therapien ab.
Eine innovative Studie in Bristol könnte Hoffnung bringen. Unter Leitung von Prof. David Nutt vom Imperial College London – ehemaligem Regierungsberater für Drogenpolitik – wird MDMA (3,4-Methylendioxy-Methamphetamin, bekannt als Ecstasy) als Ergänzung zur Psychotherapie getestet. Ziel: Traumatische Kindheitserfahrungen wie Vernachlässigung oder Missbrauch bei Alkoholabhängigen aufzuarbeiten. Frühere US-Studien zeigten Erfolge bei PTSD.
Teil eines umfassenden Programms
MDMA ist kein Wundermittel. Die Bristol-Studie von Psychiater Dr. Ben Sessa und Klinischer Psychologin Dr. Laurie Higbed integriert es in intensive Psychotherapie – nach erfolgreicher Entgiftung. "In meiner Ausbildung in Kinder- und Jugendpsychiatrie sah ich unzählige Fälle von Missbrauch und Trauma, die zu Sucht führten", erklärt Sessa. "Aktuelle Medikamente kaschieren Symptome, echte Heilung erfordert Psychotherapie."
MDMA öffnet Patienten emotional, lindert kurzfristig Schmerz und ermöglicht tiefgehende Gespräche – ohne neue Abhängigkeiten zu schaffen.
Geschichte und Wirkmechanismus
MDMA wurde 1912 von Merck als Gerinnungshemmer entwickelt. In den 1950ern experimentierte US-Chemiker Alexander Shulgin damit in Paartherapien. Ab den 1980ern als Freizeitdroge populär, wurde es 1985 in den USA und 1977 im UK verboten. Sessa bedauert: "MDMA ist ein medizinisches Werkzeug – die Rave-Szene war ein Umweg."

Pharmakologisch wirkt MDMA auf Serotonin-, Noradrenalin- und Dopamin-Rezeptoren: Es steigert Euphorie, fördert Kreativität, Entspannung und Oxytocin-Produktion – ideal für sichere Therapiesitzungen.
Ein sicherer therapeutischer Raum
MDMA dämpft Angst, bei intakten Kognitionen. "Patienten, die nie Frieden kannten, erleben sechs Stunden Wohlbefinden – eine Basis für echte Arbeit", sagt Sessa. Teilnehmer stammen von Addaction, nach strenger Auswahl (keine anderen Süchte, max. 20 MDMA-Konsum-Lebenszeit).
Das Programm: 10 Sitzungen über acht Wochen, zwei MDMA-gestützt, plus Nachsorge. In einer entspannenden Umgebung im St. Michael's Hospital mit Musik und Maske tauchen Patienten tief ein – geleitet von Therapeuten.

"Wir gehen dunkle Pfade, doch MDMA schützt vor Panik", betont Sessa. Higbed ergänzt: "Manche verarbeiten intern – wir integrieren am nächsten Tag."
Risiko vs. Nutzen
Sicherheit? "Abhängigkeit extrem selten: 600.000 Nutzer jährlich, kaum Fälle", sagt Sessa. Klinisch: Null Abhängigkeiten in 1.600 Sitzungen. Risiken minimieren durch Tests (EKG, Blut, Psyche), Überwachung.

"Bei langjähriger Alkoholsucht ist MDMA ein kalkulierbares Minimumrisiko mit hohem Potenzial."
Ausblick
Frühe Ergebnisse: Drei Patienten nüchtern oder minimal rückfällig – besser als Standard. Open-Label-Studie (unter 20 Teilnehmer) prüft Sicherheit; nächste: placebokontrolliert. Sessa visioniert NHS-Zulassung ab 2021 via EMA.
WARNUNG: Ecstasy (MDMA) ist eine Klasse-A-Droge. Besitz droht bis zu sieben Jahre Haft, unbeschränkte Strafe oder beides.
Mehr Infos und Hilfe: bit.ly/drug_support.