Laut offiziellen Statistiken starben im Vereinigten Königreich 2016 4.508 Männer und 1.457 Frauen durch Suizid. Experten schätzen, dass die tatsächliche Zahl doppelt so hoch sein könnte. Besonders Männer sind betroffen: Suizid ist die häufigste Todesursache bei Männern unter 50 und fordert mehr Opfer als Verkehrsunfälle, Herzkrankheiten oder Krebs.
Die Ursachen für Suizide bei Männern sind ein komplexes Geflecht aus sozialen, psychologischen, biologischen und kulturellen Faktoren. Doch innovative Ansätze wie Virtual-Reality-Experimente und Künstliche Intelligenz (KI) eröffnen neue Wege, Risikogruppen zu identifizieren und Suizide vorzubeugen. Basierend auf fundierter Forschung versprechen sie präzisere Vorhersagen.
Eintauchen in virtuelle Welten
Prof. Rory O’Connor, Leiter des Suicidal Behaviour Research Lab an der University of Glasgow, betont, dass gesellschaftliche Veränderungen Männer besonders anfällig für Gefühle der Ausweglosigkeit machen – ein zentraler Suizidfaktor. Sein Team untersucht Suizidüberlebende, um Zusammenhänge zwischen Suizid und psychologischen sowie sozialen Merkmalen zu entschlüsseln.
Der US-Psychologe Dr. Joe Franklin vom Technology and Psychopathology Lab der Florida State University nutzt Virtual Reality (VR) und maschinelles Lernen, um Suizidursachen aufzudecken.
Franklins Team konfrontiert Probanden mit sozialen Ablehnungsszenarien, gefolgt von einem VR-Szenario auf einem Hochhausdach. Manche der ausgegrenzten Personen wählen den Sprung.
Mit potenziell Tausenden Faktoren hilft nur maschinelles Lernen, signifikante Muster zu erkennen. „Sie füttern die Maschine mit allen Daten“, erklärt Franklin. „Wir haben Daten von 500 Suizidopfern und 500 Nicht-Opfern mit 2.000 Merkmalen. Finden Sie den besten Algorithmus, um sie zu unterscheiden.“ Solche Systeme könnten in elektronische Patientenakten integriert werden, um Risiken früh zu erkennen.
Psychologische Engpässe
VR- und KI-Daten enthüllen „Engpässe“, an denen Prävention greifen kann, so Franklin. Erfolgreiche Beispiele wie die Begrenzung von Paracetamol-Packungen im UK haben Überdosierungen stark reduziert.
2019 priorisiert Ministerin Jackie Doyle-Price (Suizidprävention) den Einsatz neuer Technologien, um Gefährdete zu identifizieren, Suizide zu senken und Stigmatisierung zu bekämpfen.
Suizidstatistik
- 878 männliche Studenten nahmen sich zwischen 2001 und 2017 das Leben (England und Wales)
- 45 % der jungen Transsexuellen haben einen Suizidversuch unternommen (Vereinigtes Königreich)
- Jeden Tag bringen sich 12 Männer um (Vereinigtes Königreich)
- 3 von 4 Selbstmorden werden von Männern begangen (Vereinigtes Königreich)
So finden Sie Hilfe
- Samaritans: Sicherer Raum rund um die Uhr für schwierige Gefühle. Kostenlos (UK/ROI): 116 123 oder jo@samaritans.org
- CALM-Hotline für Männer (UK): 17–24 Uhr, 0800 58 58 58
