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MDMA öffnet kritische Phase im Gehirn: Durchbruch in der PTBS-Therapie nach Johns-Hopkins-Studie

Forscher der Johns Hopkins University haben entdeckt, dass die psychedelische Substanz MDMA ein Fenster zu einer "kritischen Phase" im Gehirn öffnet – einer Entwicklungsstufe, in der soziale Verhaltensweisen erlernt werden. Dieser Effekt könnte die Behandlung von posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) und anderen psychischen Erkrankungen revolutionieren.

Kritische Phasen sind sensible Perioden im Leben eines Organismus, in denen das Nervensystem besonders empfänglich für neue Fähigkeiten ist. Bekannt sind solche Phasen etwa beim Spracherwerb in den ersten Lebensjahren. Danach wird das Fließendsprechen einer neuen Sprache deutlich schwieriger. Ähnlich gibt es kritische Perioden für Sehen, Fühlen und Bewegen.

"Wir wollten klären, ob es eine kritische Phase für das Erlernen sozialen Belohnungsverhaltens gibt – und ob MDMA diese mit seinen bekannten prosozialen Wirkungen reaktivieren kann", erklärt die Studienleiterin, Assistenzprofessorin Gül Dölen.

Das Team konditionierte Mäuse, indem es sie 24 Stunden mit einer bestimmten Einstreu in Gruppen hielt, dann 24 Stunden isoliert mit einer anderen Einstreu. So verbanden die Tiere die Einstreuarten mit Isolation oder Sozialkontakt. Bei freier Wahl verbrachten Jungtiere mehr Zeit in der "sozialen" Einstreu und stärkten so ihre Bindungen. Erwachsene Mäuse zeigten dieses Verhalten nach der Pubertät kaum noch.

Verabreichte man jedoch MDMA an adulte Mäuse, verhielten sie sich wieder wie Jungtiere: Sie formten positive Assoziationen zu sozialen Interaktionen. Dies zeigt, dass MDMA das Gehirn in eine kritische Lernphase zurückversetzt.

"Beim Entwickeln neuer Therapien ist der zugrunde liegende biologische Mechanismus entscheidend", betont Dölen. "Wir haben bei Mäusen eine kritische Phase für soziales Belohnungsverhalten wiedereröffnet – genau dann, wenn die Tiere sonst weniger empfänglich sind."

Dieser Ansatz könnte die PTBS-Therapie verbessern, da eine starke Bindung zwischen Therapeut und Patient essenziell für den Erfolg ist, so Dölen.