Fürchten Sie das Chirurgenmesser? Eine bahnbrechende Technik namens „molekulare Chirurgie“ könnte das Skalpell für bestimmte Operationen obsolet machen – bei denen Gewebe umgeformt wird.
Traditionell erfordern solche Eingriffe Schnitte und Nähte, die Schmerzen verursachen und Narben hinterlassen. Forscher des Occidental College in Los Angeles und der University of California, Irvine, haben nun Gewebe ohne Einschnitte, Narben oder lange Erholungsphasen umgeformt.
Diese Methode verspricht Anwendungen in der Ästhetischen Chirurgie, etwa bei der Neuformung von Nase oder Ohr, aber auch bei steifen Gelenken oder Sehschwächen.
„Wir sehen diese Technik als kostengünstiges Verfahren unter örtlicher Betäubung“, erklärt Dr. Michael Hill, einer der leitenden Forscher. „Der gesamte Prozess dauert nur etwa fünf Minuten.“
Der Fokus liegt zunächst auf Knorpel, einem zähen Bindegewebe, das überall im Körper vorkommt. Durch gezielte Leitung von elektrischem Strom wurde der Knorpel flexibel gemacht – ohne Gewebeschäden.
Der Mechanismus: Das Wasser im Knorpel wird elektrolysiert, zerfällt in Wasserstoff- und Sauerstoffgas. Dadurch entstehen Protonen, die die elektrische Ladung im Gewebe verändern und es formbar machen.
Im Tierversuch formten Wissenschaftler ein Kaninchenohr mit einer 3D-gedruckten Schablone. Mikronadel-Elektroden erweichten den Knorpel, der dann in neuer Form aushärtete – schmerzfrei und narbenlos.
Nächste Schritte: Untersuchungen an Sehnen und Augen-Hornhaut. Elektroden auf Kontaktlinsen könnten die Krümmung der Hornhaut anpassen und Sehschwächen korrigieren.