Der menschliche Körper ist eine faszinierende biologische Maschinerie, die wir über Jahrhunderte an ihre Grenzen getrieben haben. Wir haben Flugzeuge erfunden, bahnbrechende Medikamente entwickelt, hochmoderne Computer konstruiert und Raketen ins All geschickt – alles, um die mentale und physische Leistungsfähigkeit des Menschen zu testen. Wir laufen schneller, springen höher und weiter, bezwingen die höchsten Berge und tauchen in die tiefsten Ozeane. Wir sind beeindruckt: Der Mensch ist tatsächlich außergewöhnlich.
In den letzten Jahren haben Hollywood-Superheldenfilme uns an die Leistungen erinnert, die wir noch erbringen müssen. Während Figuren wie Superman oder Captain America ihre übermenschlichen Fähigkeiten als selbstverständlich nehmen, können wir nur staunen, wie sie die Welt retten und das Böse besiegen.
Im Juni 2016 skizzierten Wissenschaftler und Industrieexperten das Genome Project-Write in der Zeitschrift Science. Dieses ambitionierte Vorhaben zielt darauf ab, ein vollsynthetisches menschliches Genom zu schaffen. Neben Vorteilen für Arzneimittelentwicklung und Gentherapie eröffnet es die Möglichkeit, eine Generation fortschrittlicherer Menschen zu erzeugen. Erste Schätzungen gehen von 100 Millionen US-Dollar Startkapital und mindestens 10 Jahren aus. Somit könnte das Projekt noch Jahre von der Erschaffung von „Supermenschen“ entfernt sein.
Haben wir aber bereits die biologischen und technologischen Mittel für Superhelden mit echten Superkräften? Tatsächlich lautet die Antwort: Ja. Wir nähern uns unaufhaltsam einer Welt der Supermächte.
CRISPR/Cas: Die X-Men-Ära beginnt
In X-Men: Apocalypse erwacht die unsterbliche Apokalypse (En Sabah Nur) und ist schockiert über den Kurs der Menschheit. Als erste Mutante mit dem legendären X-Gen will er die Gesellschaft umformen. Ohne dieses Gen hätte Professor Xavier keine telepathischen Kräfte, Wolverine keine Regenerationsfähigkeit und Cyclops keine Optikstrahlen.
Dank des Human Genome Project (HGP) kennen wir nun alle Gene unserer DNA. Gene kodieren für RNA und Proteine wie Kollagen oder Hämoglobin. Könnten wir ein synthetisches „X-Gen“ für Superkräfte schaffen und einbauen? Ja – mit CRISPR/Cas. Dieses Werkzeug, inspiriert von Bakterien-Abwehrmechanismen, schneidet DNA präzise und ermöglicht das Einfügen neuer Gene, etwa für Wolverines Heilkräfte. Es kann auch Krankheitsgene deaktivieren.
CRISPR/Cas wird bereits bei Pflanzen, Zebrafischen und Pilzen eingesetzt. Die Anwendung am Menschen stößt auf ethische, finanzielle, wissenschaftliche, religiöse und gesellschaftliche Hürden. Bislang genießen wir bearbeitete Pilze, die nicht braun werden, oder Zebrafische mit Gliedmaßen statt Flossen. Akzeptiert die Welt CRISPR als sichere Methode, könnten X-Men-ähnliche Menschen folgen.
Jetzt siehst du mich, jetzt nicht: Unsichtbarkeit wird real
Genetische Modifikationen bieten einen Weg zu biologischen Superkräften, dauern aber Jahre. Technologische Projekte könnten schneller supermachtähnliche Geräte liefern.
Unsichtbarkeit fasziniert seit H.G. Wells’ The Invisible Man (1897) – von Harry Potter über Die Unglaublichen bis Hollow Man. Marvels Sue Storm, die Unsichtbare Frau aus The Fantastic Four, kämpft gegen Doctor Doom und Galactus.
Unsichtbarkeit verhindert, dass Licht reflektiert und unsere Augen erreicht. Transformationsoptik entwickelt Metamaterialien, die Licht um Objekte leiten – mit negativem Brechungsindex, unnatürlich stark für Mikrowellen.
Für sichtbares Licht sind Calcitkristalle oder Linsenlösungen vielversprechend. Joseph Choi und John Howell von der University of Rochester bauten einen Unsichtbarkeitsumhang aus günstigen optischen Linsen – baubar für unter 100 £ zu Hause.
Spinnenseide: Stärker als Stahl
Sue Storms Kräfte stammen aus kosmischer Strahlung (Vorsicht: tödlich!). Spider-Mans aus einem Spinnenbiss – Klettern, Seide produzieren. Im 2002er Spider-Man webt er natürlich, 2012 mit Web-Slingern.
Spinnenseide, ein Protein wie Kollagen, ist eines der stärksten natürlichen Materialien – fähig, Züge zu stoppen. Jalila Essaïdi schuf kugelsichere Haut damit; sie stoppt keine Normalgeschoss-Kugeln, ist aber ein Meilenstein. Potenzial für Fallschirme, Angelschnüre, Körperteile.
Professor Randy Lewis (Utah State University) produziert sie massenhaft: Gentechnisch veränderte Ziegen („Ziegenspinnen“) geben Spinnenseide in der Milch ab. Dieses Material, stärker als Stahl, ermöglicht bald Netzschleudern.
Kein Anzug wie der Iron-Man-Anzug
In Captain America: Civil War ist Iron Man kein „echter“ Held, sondern Erfinder seines Anzugs. Tony Starks Kreation fliegt, bewaffnet sich, schützt – essenziell gegen Thor, Hulk oder Cap.
Im 2008er Iron Man: Gold-Titan-Legierung. Rice University entwickelte Titan-3-Gold (3:1 bei Hitze) – 3-4-mal härter als Stahl, ideal für Gelenkersatz. Kombiniert mit Cyberdynes Exoskeletten könnte der Iron-Man-Anzug Realität werden.
Superkräfte managen
Batman v Superman: Dawn of Justice dreht sich um Kontrolle von Supermächten. Captain America: Civil War zeigt Sokovia-Abkommen der UN – logisch, doch sie spalten Helden wie Iron Man und Cap.
Vor Massen-Superkräften brauchen wir gesellschaftliche Analysen, logische Regeln und anpassbare Tech. Militär profitiert zuerst via Forschungsförderung; Zivilisten warten.
Ihre Super-Zukunft planen
Forscher sind nah dran, doch Wartezeiten sind lang. Genome Project-Write verspricht synthetische Superhelden – fernab.
Bis dahin beobachten wir Tech-Fortschritte und Superheldenfilme. Avengers: Endgame endet eine Ära, neue wecken Hunger auf Kräfte. Bei Erhalt: Guter Name, cooles Kostüm. Wissenschaft enthüllt reale Supermächte – bereiten Sie sich vor.
- Dieser Artikel wurde erstmals im September 2016 veröffentlicht