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Dr. Michael Mosley: Die Wahrheit über das Frühstück – Essen oder auslassen?

Meine erste Vortragsreise durch Großbritannien ist kürzlich zu Ende gegangen. Ein Thema kam immer wieder zur Sprache: das Frühstück. Ist das Auslassen ein schlechter Start in den Tag? Wird man später hungrig, greift zu ungesundem Essen und nimmt zu? Das behaupten die Richtlinien von Public Health England und der NHS. Aber stimmt das wirklich?

Zahlreiche Kohortenstudien deuten darauf hin, dass Frühstück gesundheitlich vorteilhaft ist. Eine Studie des Deutschen Diabetes-Zentrums in Düsseldorf aus 2018 verglich Frühstück-auslasser mit Frühstücks-Essern: Die Auslasser waren nicht nur schwerer, sondern hatten ein 33 Prozent höheres Risiko für Typ-2-Diabetes.

Doch Korrelation ist nicht Kausalität. Menschen, die regelmäßig frühstücken, rauchen seltener, trinken weniger Alkohol und sind aktiver. Diese Faktoren wiegen wahrscheinlich schwerer als die Entscheidung, das Fasten später zu brechen.

Der zuverlässigste Weg zur Klärung sind randomisierte kontrollierte Studien (RCTs): Frühstücks-Verweigerer frühstücken, Frühstücks-Esser lassen es aus – und beobachten die Effekte.

Die gute Nachricht: Solche Studien gibt es reichlich. Die schlechte für die Verfechter des Mottos „Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit“: RCTs zeigen oft das Gegenteil. Eine große Meta-Analyse im British Medical Journal fasste Dutzende Studien zusammen. Ergebnis: Wer das Frühstück auslässt, isst später zwar mehr, kompensiert die gesparten Kalorien aber nicht vollständig.
Tatsächlich nahmen Auslasser durchschnittlich 260 kcal weniger pro Tag zu sich und wogen 0,44 kg weniger. Die Forscher warnen: „Vorsicht bei der Empfehlung von Frühstück zur Gewichtsabnahme – es könnte kontraproduktiv wirken.“

Prof. Tim Spector vom King’s College London geht in einem Begleitartikel noch weiter. Er bezweifelt die Vorteile des Frühstücks-Zwangs und nennt die behaupteten Effekte bei Kindern „schwach, beobachtend und ebenso voreingenommen wie bei Erwachsenen“.

Zusammengefasst: Wenn Sie gerne frühstücken (wie ich), tun Sie das. Bevorzugen Sie es, bis später zu warten? Kein Problem – die Wissenschaft unterstützt das.