DeuAq.com >> Leben >  >> Wissenschaft

Krebsrisiko: Ist der Vergleich von Fettleibigkeit und Rauchen gerechtfertigt?

Kontroversen sorgen für hohe Reichweite und starke Medienpräsenz. Cancer Research UK (CRUK) hat mit seiner neuen Kampagne viel Aufmerksamkeit erregt: Anzeigen an Bushaltestellen und in sozialen Medien zeigen altmodische Zigarettenpackungen mit der klaren Botschaft „Adipositas ist eine Ursache von Krebs“.

Neben der Aufklärung zielt CRUK darauf ab, Kinder vor Junkfood-Werbung zu schützen, indem die Regierung zu einem Werbeverbot ab 21 Uhr verpflichtet wird. Die Kampagne stößt jedoch auf Kritik: Über 11.500 Menschen haben eine Petition unterzeichnet, die ihren sofortigen Stopp fordert.

Rauchen und Fettleibigkeit unterscheiden sich grundlegend: Rauchen ist ein Verhalten, Fettleibigkeit ein körperliches Ergebnis der Körpermasse. Beide sind komplexe gesellschaftliche Herausforderungen, die effektive Gesundheitspolitik erfordern.

Auf individueller Ebene reduziert der Verzicht auf Rauchen Krebsrisiken am effektivsten. Bei Fettleibigkeit ist ein solcher Abstinenzansatz nicht möglich – Menschen können nicht aufhören zu essen oder einfach abnehmen. Studien zeigen: Kurzfristige Gewichtsreduktion gelingt oft, doch langfristig nehmen die meisten wieder zu. Viele stecken in einem Jo-Jo-Effekt fest.

Körpergewicht wird von vielfältigen Faktoren beeinflusst: Genetik, Psychologie auf individueller Ebene sowie Umwelt und Politik gesellschaftlich. Manche Menschen sind genetisch prädisponiert für höheres Gewicht und erschwerten Abnehmerfolg. Gewichtsmanagement ist daher nicht für alle gleich machbar.

Hören Sie zu, wie der Genetiker Dr. Giles Yeo erklärt, warum Fettleibigkeit kein reines Willensproblem ist:

Unabhängig davon assoziiert die zigarettenähnliche Plakatausgestaltung Fettleibigkeit mit Raucherstereotypen – als Folge von Verantwortungslosigkeit. Tatsächlich sind weder Rauchen noch Fettleibigkeit allein individuelle Fehlentscheidungen. Die Kampagne riskiert so Gewichtsstigmatisierung und Diskriminierung. Während Rauchen als selbstverschuldet gilt, erzeugt der Vergleich moralische Empörung und feindselige Atmosphäre für Betroffene.

Mediengeschichten suggerieren oft: Politische Korrektheit verhindert harte Wahrheiten für Übergewichtige. Dieses bevormundende Framing ignoriert Fakten. Studien belegen: Gewichtsstigma fördert Heißhunger, Sportvermeidung und Gewichtszunahme.

Wäre Stigma wirksam, hielte die anti-Fett-Kultur Zunahmen in Schach – tut sie aber nicht. Betroffene meiden Ärzte aus Scham, was Krebsfrüherkennung verzögert. Das sollte CRUK priorisieren.

Wie könnte die Kampagne besser werden? Für politischen Wandel sollte sie Ungleichheit, Arbeitslosigkeit und Lebensmittelregulierung thematisieren, öffentlichen Druck aufbauen und zu solidarischer Veränderung aufrufen – statt Stigmatisierung.

Antwort von Michelle Mitchell, Geschäftsführerin von Cancer Research UK:

„Adipositas ist komplex, ohne einzelne Ursache oder Lösung. Wir vergleichen Rauchen und Fettleibigkeit, um staatliche Veränderungen zu illustrieren, die gesunde Gewohnheiten fördern – nicht Tabak mit Essen. Die Kampagne schärft das Bewusstsein für den Krebszusammenhang und fordert Maßnahmen wie Junkfood-Werbebeschränkungen und Preisanreize für Ungesundes. Sie soll niemanden wegen Gewichts beschämen oder Vorurteile schüren.

Wir folgen World Obesity Federation-Prinzipien, haben die Obesity Health Alliance-Erklärung zu Stigma unterzeichnet und arbeiten mit Experten zusammen.

Obwohl kontrovers, ist die Botschaft essenziell: Nach Befragung Tausender mit unterschiedlichem Gewicht stimmen 84 Prozent zu, dass sie kommuniziert werden muss.“