Einige junge Menschen verbringen den Großteil ihres Tages im Schlaf – bis zu 20 Stunden oder länger. Sie sprechen einsilbig oder wirr, reagieren aggressiv auf Störungen oder verfallen in kindliches Verhalten wie Händeklatschen und Kinderlieder. Doch bald kehrt die unerbittliche Müdigkeit zurück.
Erst nach Wochen oder Monaten löst sich der Bann. Die Betroffenen erinnern sich kaum an die verlorene Zeit, doch eine neue Episode droht im Durchschnitt nach drei Monaten.
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Das Kleine-Levin-Syndrom (KLS), auch "Dornröschen-Syndrom" genannt, ist eine seltene neurologische Erkrankung, die 2 bis 5 von einer Million Menschen trifft. Symptome treten meist in Kindheit oder Jugend auf – der jüngste Fall betraf ein 4-jähriges Kind.
Megan Firth aus Oxfordshire, heute 18-jährige Jurastudentin, erkrankte mit 13. Im vergangenen Jahr allein hatte sie neun Episoden. Für sie ist Derealisation das Schlimmste: ein traumähnliches Gefühl der Entfremdung, das Tage oder Wochen anhält und über 90 Prozent der Patienten betrifft.
"Das ist der gruseligste Teil", sagt sie. "Es fühlt sich an, als ob man in einer Blase steckt – ich kann Realität und Traum kaum unterscheiden." Viele zählen ihre Finger zur Selbsterkenntnis oder erkennen sich im Spiegel nicht. Wasser tropft spürbar auf die Haut, selbst wenn es verbrüht. Worte des Gegenübers wirken asynchron wie in einem schlechten Film. Gehirnscans zeigen oft reduzierte Aktivität in sensorischen Integrationsregionen.
Megans Mutter Emma beschreibt Apathie als weiteres Merkmal: "Sie hört auf, mit der Welt zu kommunizieren – ignoriert Freunde, will nicht ausgehen. Auf Familienfotos schläft sie im Hintergrund tief und fest."
Bei zwei Dritteln treten Hyperphagie und Enthemmung auf: Zwanghaftes Überessen – bis hin zum Stehlen von Essen oder Müllwühlen. Ein Patient trank täglich mehrere Flaschen Brombeersirup; ein anderer verschlang Sandwiches ohne Kauen und schlief mit Essen im Mund ein. Gewichtszunahmen von durchschnittlich 4,6 kg pro Episode (bis 13,5 kg) sind üblich. Hypersexualität kann zu öffentlicher Masturbation oder Avancen führen.

Repetitive Verhaltensweisen sind häufig: Megan schaute obsessiv Serien wie Charmed oder Miranda. Andere wurden Pyromanen, schrieben auf Füße oder zogen an Haaren.
Schwierige Diagnose
Trotz klarer Merkmale ist die Diagnose herausfordernd – kein spezifischer Test existiert. Ärzte müssen KLS kennen; Jugendliche gelten oft als "faul". Fehldiagnosen wie Depressionen oder Schizophrenie sind häufig, da psychische Symptome (inkl. Suizidgedanken bei 15 %) dazugehören.
Polysomnographie unterstützt, festigt aber nicht. Funktionelle Bildgebung zeigt teils reduzierte Aktivität in Thalamus, Hypothalamus oder Lappen – doch meist forschungsbezogen.

In 89 % löst eine Infektion (z. B. Grippe) Episoden aus. Dr. Guy Leschziner, Neurologe am Sleep Disorders Centre in London, sieht Parallelen zu Autoimmunerkrankungen: "Manche Fälle weisen Hirnentzündungen auf; andere könnten Kanalopathien sein." Genetik spielt eine Rolle (5 % familiär), doch kein KLS-Gen bekannt.
Nicht nur Faulheit
In Episoden abwarten: Ein Drittel dauert über einen Monat. Zuhause bleiben, Flüssigkeit und Toilette fördern, um Komplikationen zu vermeiden.
"Die Ignoranz anderer schmerzt", sagt Emma. "Man würde einem Gipsbein nicht sagen: 'Steh auf!'" Keine Heilung; Stimulanzien wie Modafinil helfen begrenzt, Lithium vorbeugend – mit Risiken.
"Die Ursache ist unbekannt, Seltenheit verhindert Studien", erklärt Leschziner.
Science Focus Podcasts zu Schlaf:
- Wie man gut schläft – Alice Gregory
- Exploding-Head-Syndrom – Brian Sharpless
Steroide verkürzten bei 42 % der Fälle Episoden (retrospektiv); Fortschritt seit 1862.
Optimistische Aussichten
KLS klingt oft nach 15 Jahren ab (15 % länger). Megan hofft: "Nichts ist unmöglich." Forschung zu Genetik und Biochemie gibt Hoffnung – der Bann könnte brechen.