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Körperpositivität: Ist Körperneutralität der gesündere Weg zu einem positiven Körperbild?

Ein Fünftel der Erwachsenen in Großbritannien hat sich im vergangenen Jahr für seinen Körper geschämt. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Mental Health Foundation zur Mental Health Awareness Week mit dem Thema Körperbild. Die Ergebnisse unterstreichen die Dringlichkeit: Jede achte Person hatte aufgrund ihres Körperbilds Suizidgedanken oder -gefühle.

Die Body-Positivity-Bewegung, befeuert durch soziale Medien, motiviert Menschen, dem gesellschaftlichen Druck auf ihr Aussehen zu widerstehen. Sie fordert auf, den eigenen Körper unabhängig von Größe, Form, Alter, Hautfarbe oder anderen Merkmalen zu lieben. Betroffen sind Menschen aller Geschlechter – nicht nur Frauen –, die unter Hashtags wie #BoPo ihren Körper feiern, selbst wenn er nicht den Idealbildern aus Werbung und Medien entspricht.

Das Konzept ist überzeugend: Über 13 Millionen Instagram-Posts tragen Tags wie #BodyPositivity, #BodyPositive oder #BoPo. Prominente und Marken übernehmen die Botschaft und setzen auf Kampagnen mit diversen Models.

Dennoch scheitern manche Markeninitiativen. „Oft verwenden Kampagnen körperpositive Sprache, zeigen aber wenig Vielfalt in der Bildsprache“, erklärt Professorin Phillippa Diedrichs vom Centre for Appearance Research an der University of the West of England. „Hashtags wie ‚Love your body‘ tauchen auf, doch die Gesamtanzeigen einer Marke bleiben auf eine Kampagne beschränkt oder passen nicht zu ihren Produkten.“

Trotzdem wirkt es: Eine Studie unter Leitung von Rachel Cohen an der University of Technology Sydney zeigte, dass junge Frauen nach dem Anschauen solcher Instagram-Posts zufriedener mit ihrem Körper waren. Allerdings objektivierten sie sich dabei stärker.

Diedrichs sieht hier einen Haken: Viele körperpositive Inhalte fokussieren weiterhin aufs Aussehen. „Es wird viel über Gewichts- und BewegungsKontrollen diskutiert“, sagt sie. „Wichtig ist: Körperpositivität schützt vor negativen Effekten anderer Medienbilder.“

Self-Objektivierung trifft vor allem junge Frauen und hat gravierende Folgen. Forschung zeigt: Sie bindet Selbstwert ans Aussehen, fördert Scham und erhöht das Depressionsrisiko bei Jugendlichen.

Schadet Body Positivity in sozialen Medien also? „Man muss Inhalte differenzieren“, betont Diedrichs.

Für ein gesundes Körperbild gibt es keinen Allheilmittel-Ansatz. „Nicht jeder muss seinen Körper lieben, um Vorteile zu spüren“, sagt sie. „Es geht um Respekt und Wertschätzung des Körpers – nicht um blinde Begeisterung für jedes Detail. Das Aussehen zählt, sollte aber nicht das gesamte Selbstwertgefühl bestimmen.“

Hören Sie das volle Interview mit Professorin Diedrichs in unserem Science Focus Podcast.