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Die faszinierende Wissenschaft der Gastrophysik: Wie Umgebung und Sinne unseren Geschmack prägen

Was ist Gastrophysik?

Gastrophysik verbindet Gastronomie und Psychophysik. Sie untersucht wissenschaftlich, wie unsere Wahrnehmung von Speisen und Getränken durch Sinne und Umgebung geprägt wird – jenseits der Zutaten selbst. Dieses aufstrebende Feld vereint Psychologen, Neurowissenschaftler, Marketingexperten, Köche, Produktdesigner und Musiker.

Welche Faktoren beeinflussen unseren Geschmack?

Kaum etwas bleibt unberücksichtigt: Farbe und Form der Teller, Gewicht und Material des Bestecks, Tischform und Sitzgefühl. Dazu zählen Gesellschaft, Stimmung, Beleuchtung, Hintergrundmusik und assoziierte Erinnerungen. All diese Elemente summieren sich zu einem komplexen Ganzen.

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Wie bedeutsam sind diese Effekte?

Es ist schwierig, den Anteil des Essens selbst vom "Rest" abzugrenzen. Der renommierte französische Koch Paul Bocuse schätzte, dass mehr als die Hälfte der Erfahrung auf diesen Faktoren beruht. Manche wirken stärker, wie Hintergrundmusik im Vergleich zur Wandfarbe.

Die überraschendste Einflussnahme auf den Geschmack?

"Sonic Seasoning": Geräusche verändern den Geschmack um bis zu 15 % – mehr Süße, Säure oder Bitterkeit durch passende Musik. Wir haben Tracks für Süße (hoch und klingend) oder Bitterkeit (tief und blechern) entwickelt, auch für saure, Umami- oder scharfe Gerichte.

In Kooperation mit dem Michelin-Sterne-Chocolatier Dominique Persoone in Belgien zeigten wir, dass "cremige" Musik (langsam, legato) seiner Schokolade zusätzliche Cremigkeit verleiht.

Neurowissenschaftler fanden bei Mäusen Verbindungen zwischen Geruch und Gehör. Beim Menschen möglich ebenso. Sonic Seasoning verfeinert bereits Menüs in Top-Restaurants und könnte gesundheitlich nützen, z. B. durch "süße" Musik für weniger Zucker.

Wie wirkt die Tellerfarbe auf den Geschmack?

Mehrere Mechanismen: Kontrast erleichtert die Erkennung, z. B. Brei auf dunklem Teller. Rote Teller dämpfen den Appetit – assoziiert mit Gefahr und "Stopp".

Erwartungen spielen mit: Runde weiße Schalen signalisieren Süßes wie Eis.

Innovativster Gastrophysik-Einsatz?

Im Besteckdesign: Heston Blumenthals Fat Duck serviert "Counting Sheep" mit puderduftendem, flauschigem Löffel. Schweres Besteck verbessert den Geschmack – Gewicht steht für Qualität.

  • Dieser Artikel wurde erstmals im März 2017 veröffentlicht