Stellen Sie sich vor, Ihr Smartphone oder ein tragbares Gerät warnt Sie vor einer Krankheit, noch bevor Symptome auftreten – und empfiehlt einen Arztbesuch. Ein implantiertes Sensor könnte Ihre Gesundheit rund um die Uhr überwachen. Diese Zukunft ist näher, als Sie denken.
Die Technologie basiert auf dem Geruchssinn, der uns seit Urzeiten begleitet. Experten wie Prof. James Logan von der London School of Hygiene & Tropical Medicine sind überzeugt: Die Analyse körpereigener Düfte könnte die Medizin revolutionieren.
Körpereigene Düfte entschlüsseln
Wir senden ständig Hunderte flüchtiger Chemikalien aus Haut, Atem und Darm aus. Diese unsichtbaren "Geruchswolken" verändern sich bei Krankheiten – jede Erkrankung könnte eine einzigartige Duftsignatur haben. Tiere wie Hunde riechen das instinktiv.
"Wenn wir diese chemischen Signaturen entschlüsseln und tierische Geruchskräfte nachahmen, ermöglichen wir frühe Diagnosen und retten Leben", erklärt Prof. Logan. Sein Team hat das bei Malaria getestet, einer tödlichen Seuche.
Mücken als Vorbild
Mücken jagen uns mit ihrem feinen Geruchssinn – ideal zum Tragen des Malariaparasiten Plasmodium. Fortschritte stocken, da Infizierte oft symptomfrei andere anstecken.
Logans Team fand: Malaria verändert den menschlichen Geruch, macht Betroffene für Mücken attraktiver. Der Parasit manipuliert den Körper gezielt. Die Forscher analysierten Fußgerüche infizierter Kinder, trennten sie in Komponenten und maßen Mücken-Antennenreaktionen. Schuldige: Aldehyde, die synthetisch hergestellt werden können.
"Eine Mücke als Scout? Unpraktisch. Aber Hunde sind ideale Sensoren", sagt Logan.
Hunde als Diagnose-Experten
Hunde besitzen 300 Millionen Riechzellen (wir nur 5 Millionen). Prof. Steve Lindsay von der Durham University trainierte sie mit Medical Detection Dogs (MDD).
In Gambia sammelten sie Sockenproben von 175 Schulkindern; 30 hatten Malaria (ohne Symptome). Die Hunde identifizierten 80 % der Positiven korrekt, 91 % der Negativen.
"Hunde könnten an Grenzen infizierte Personen wittern und Ausbrüche verhindern – ein günstiger, nicht-invasiver Test für malariafreie Länder", betont Lindsay. Potenzial: Malaria-Erradicierung.

Hunde riechen auch Krebs; weitere Krankheiten folgen. Limitationen: Kein Dauereinsatz. Hier helfen Maschinen.
Logans synthetische Aldehyde inspirieren "künstliche Nasen", die tierische Fähigkeiten nachahmen. "Andere Krankheiten haben Düfte – Tiere helfen uns, sie zu finden", sagt er.
Die künstliche Nase der Zukunft
Tragbar wie ein Pflaster, Armband oder Smartwatch: E-Nasen erkennen Krankheitsdüfte. Prof. Krishna Persaud (University of Manchester) baute eine handyähnliche Version.
Sie erzeugen chemische Fingerabdrücke via Sensoren, z. B. schwingende Quarzkristalle oder tierische Proteine für Bio-E-Nasen.

Dr. Andreas Mershin (MIT) integriert Nano-Nasen in Smartphones: KI lernt persönliche Düfte, warnt vor Veränderungen – wie ein trainierter Hund.
"Ihr Phone wird Ihr Gesundheitswächter: 'Suchen Sie einen Arzt – etwas riecht falsch.'" Maschinen lernen Kontext, übertreffen reine Sensoren.
E-Nasen kehren Medizin um: Selbst-Monitoring vor Arztbesuch.
- Diese Funktion erschien erstmals in der Sommer-2019-Ausgabe von BBC Science Focus – hier abonnieren.