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Michael Mosley: Bauchgefühl – Revolutionäre Diagnose für Reizdarmsyndrom

Einer meiner medizinischen Helden ist Prof. Barry Marshall von der University of Western Australia. Ich lernte ihn in den 1990er Jahren kennen, als ich für einen Dokumentarfilm über ihn und seinen Kollegen Robin Warren drehte. Der Film Ulcer Wars erzählte ihre bahnbrechende Geschichte: Sie hatten das Bakterium Helicobacter pylori identifiziert und nachgewiesen, dass es für die meisten Fälle von Magenkrebs und Magengeschwüren verantwortlich ist.

Als Filmemacher faszinierte mich besonders, dass Barry in den 1980er Jahren eine Brühe mit H. pylori getrunken hatte. Er erkrankte, und eine Biopsie bestätigte: Das Bakterium kolonisierte seine Magenschleimhaut und den oberen Dünndarm, was eine Gastritis auslöste. Nach Antibiotika-Behandlung verschwanden Symptome und Bakterium.

Bei den Dreharbeiten zu Ulcer Wars stießen ihre Erkenntnisse auf massive Skepsis. Das änderte sich 2005 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Barrys Mut inspirierte mich zu meiner Politik des Selbstexperimentierens vor der Kamera.

Kürzlich traf ich Barry wieder – er zeigte mir sein aktuelles Projekt, das unser Verständnis von Reizdarmsyndrom (IBS) revolutionieren könnte. IBS betrifft rund 10 Prozent der Weltbevölkerung mit Symptomen wie Schmerzen, Blähungen, Durchfall und Verstopfung. Oft fehlt ein zuverlässiger Test; Betroffene werden ignoriert oder als hypochondrisch abgetan.

Sein Team entwickelt einen innovativen Test: Ein Gürtel mit empfindlichem Mikrofon, der Bauchgeräusche misst. Das Projekt heißt Noisy Guts.

„Wir hören dem Grollen und Grummeln des Darms zu, um Muster chronischer Erkrankungen wie IBS zu erkennen“, erklärt Barry. „Die Technologie stammt ursprünglich aus der Termitenforschung zur Analyse von Kauvorgängen.“

Sie warben Freiwillige an – IBS-Patienten und Gesunde – und zeichneten zwei Stunden nach Fasten sowie 40 Minuten nach standardisierter Mahlzeit Darmgeräusche auf. Maschinelles Lernen analysierte die Daten und unterschied gesunde von kranken Därmen.

Im Blindtest erkannte das System IBS in 87 Prozent der Fälle korrekt, mit minimalen Fehlalarmen. Nun testen sie es bei großen Patientengruppen vor der Markteinführung.