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Großstudie widerlegt Mythos: Kein Zusammenhang zwischen Testosteron und Empathie

Forscher haben in einer umfassenden Studie den weitverbreiteten Glauben entkräftet, dass höhere Testosteronspiegel mit geringerer Empathie einhergehen.

Die Untersuchung wurde durch die Beobachtung angetrieben, dass Autismusdiagnosen bei Männern fünfmal häufiger vorkommen als bei Frauen. „Natürlich ist Testosteron der Hauptverdächtige, wenn es um stark geschlechtsspezifische Phänomene geht“, erklärte Dr. Gideon Nave von der University of Pennsylvania, Leiter der Studie.

Eine gängige Theorie zum Geschlechtsunterschied bei Autismusdiagnosen besagt, dass Autismus eine Übertreibung „männlicher“ Gehirntendenzen darstellt – geprägt von einem Denkstil, der Systematisierung der Empathie vorzieht.

Die Hypothese des „extremen männlichen Gehirns“ wurde zuvor durch Studien gestützt, die höheres Testosteron mit reduzierter kognitiver Empathie – der Fähigkeit, Emotionen anderer zu erkennen – in Verbindung brachten, die bei Autismus typisch beeinträchtigt ist. Solche Arbeiten litten jedoch unter kleinen Stichproben und fehlenden kausalen Belegen.

In dieser neuesten und größten Studie ihrer Art rekrutierten Dr. Nave und sein Team 643 gesunde Männer, denen entweder Testosteron-Gel oder ein Placebo verabreicht wurde.

Das Empathieniveau wurde durch standardisierte Fragebögen und Verhaltensaufgaben ermittelt. In einer Aufgabe identifizierten die Teilnehmer den emotionalen Zustand anhand von Fotos der Augen eines Schauspielers.

Die Ergebnisse zeigten jedoch keinen Zusammenhang zwischen Testosteronspiegeln und Empathie.

„Unsere Ergebnisse belegen klar: Es gibt keinen linearen kausalen Effekt von Testosteron auf kognitive Empathie“, betonte Dr. Amos Nadler von der Western University in Kanada, Erstautor der Studie.

Das schließt indirekte Einflüsse nicht aus.

„Falls Testosteron wirkt, ist der Effekt komplex und nicht-linear“, so Dr. Nave. Der Geschlechtsunterschied bei Autismus bleibt somit ungeklärt.

„Derzeit müssen wir unsere Lücken im Verständnis akzeptieren“, schlussfolgerte Nave.