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Innere Uhr: Evolutionsbiologin erklärt den 24-Stunden-Rhythmus und gibt praktische Tipps

Jeder Mensch folgt einem natürlichen 24-Stunden-Rhythmus, gesteuert durch unsere innere Uhr. Sie reguliert nicht nur den Schlaf-Wach-Zyklus, sondern beeinflusst auch Hunger, Stoffwechsel, Herzfunktion, psychische Gesundheit und Immunsystem entscheidend.

Studien verbinden eine gestörte innere Uhr mit höherem Risiko für Diabetes, Herzerkrankungen und Krebs. Als Evolutionsbiologin und Moderatorin der BBC-Sendung Horizon (Folge Body Clock: Wie ticken wir?) hat Ella Al-Shamahi das erforscht. Sie sperrte den ehemaligen Royal-Marines-Commando Aldo Kane für 10 Tage in einen Atombunker – um zu zeigen, wie wir unseren Rhythmus optimieren können.

Warum den Atombunker-Experiment?

In unserer tech-dominierten Welt unterschätzen wir die Robustheit unserer inneren Uhr und ihre Einflussfaktoren. Aldo Kane, ein harter Ex-Commando, wurde ohne Sonnenlicht und Zeitangabe isoliert. Wir kontrollierten künstliches Licht, um die innere Uhr zu testen.

Was ist die innere Uhr genau?

Sie synchronisiert alle Körperfunkte und wird von einer kleinen Region im Hypothalamus gesteuert, die sich am Tag-Nacht-Zyklus orientiert. Nerven und Hormone übermitteln diesen 24-Stunden-Rhythmus an Organe – und signalisieren, wann Essen, Schlafen oder Arbeiten angesagt ist.

Als Evolutionsbiologin fasziniert mich: Dieser Mechanismus ist "hochgradig konserviert" – Millionen Jahre alt und essenziell. Sogar Fruchtfliegen haben eine 24-Stunden-Uhr.

Die Phasen des Bunkerexperiments

Drei Phasen: In Phase 1 lebte Aldo normal – essen, schlafen, trainieren, lesen – ohne Zeitinfo. Wir überwachten via Intercom, ohne Hinweise zu verraten. Kein Sonnenlicht, aber selbstständige Lichtsteuerung.

Innere Uhr: Evolutionsbiologin erklärt den 24-Stunden-Rhythmus und gibt praktische Tipps

Phase 2 ("going dim"): Nur schwaches Licht – pure Dunkelheit. Wie hält die Uhr ohne jegliches Licht durch?

Phase 3: "Jetlag-Modus". Ständiges Aufwecken mitten in der Nacht, ohne Erholung – simuliert extremes Reisen.

Wie hielt Aldo durch?

Schlecht! Er verlor jedes Zeitgefühl, war desorientiert und verzweifelt. Isolation und Rhythmusstörung zehrten an ihm – trotz seiner Härte.

Die zentralen Erkenntnisse

In Phase 1 blieb der 24-Stunden-Zyklus stabil, doch Schlaf verschob sich später. Die innere Uhr tickt intrinsisch, unabhängig von Uhren oder Telefonen.

Ohne Licht (Phase 2) wurde sie "freilaufend": Die meisten Uhren laufen leicht länger als 24 Stunden. Licht "setzt" sie täglich zurück – wie eine alte Standuhr.

Aldo wachte normalerweise um 6 Uhr auf. Ohne Sonne driftete er um über drei Stunden ab. Ähnlich bei Blinden wie Mark Threadgold: Seine durchtrennte Sehnerven verursacht ständigen Freilauf, Lethargie und Stimmungsprobleme.

Praktische Anwendungen fürs Alltagsleben

Moderne Büros imitieren Extrembedingungen. Tipps: Rad zur Arbeit statt Zug, Mittagspause draußen. Organe haben eigene Uhren: Morgens effizienter Stoffwechsel (große Mahlzeit ja), Training später (Körper braucht Aufwachen).

Innere Uhr zurücksetzen – möglich?

Beispiel: Frühschläferin Naomi und Nachteule Greg. 25 % sind Eulen, 25 % Lerchen. Blaulicht filternde Brille abends täuscht Dunkelheit vor; morgendliches Sonnenlicht verschiebt den Rhythmus. Bei Greg klappte es super.

Weitere Tipps für Ihre innere Uhr

Feste Schlafzeiten einhalten, auch freie Tage. Nachtmodus/ Blaulichtfilter nutzen. Schichtarbeiter: Gleichen Rhythmus wahren. Flexible Arbeitszeiten wären ideal – nicht 9-to-5 für alle.

Persönliche Veränderungen

Mein Schlaf war chaotisch. Nach dem Dreh halte ich feste Routinen – mit spürbarem Effekt.

  • Dies ist ein Auszug aus Ausgabe 328 von BBC Focus Magazin - sabonnieren und lassen Sie sich den vollständigen Artikel nach Hause liefern oder laden Sie die BBC Focus App herunter. Erfahren Sie mehr