Bei jüngeren Kindern innerhalb eines Schuljahrs wird im Alter von 16 Jahren mit größerer Wahrscheinlichkeit eine Depression diagnostiziert als bei älteren Mitschülern. Das zeigen neue Forschungsergebnisse.
Wissenschaftler der London School of Hygiene & Tropical Medicine (LSHTM) analysierten elektronische Hausarztakten von einer Million Jugendlichen im Vereinigten Königreich. Kinder, die im letzten (jüngsten) Quartal des Schuljahrs geboren wurden, wiesen ein um 30 Prozent erhöhtes Depressionsrisiko auf – im Vergleich zu denen im ersten (ältesten) Quartal.
Die Studie unter Leitung der LSHTM fordert mehr Forschung zu Ursachen und Prävention von Depressionen bei Schulkindern.
Hauptautor Jeremy Brown von der LSHTM erklärt: „Wir wissen seit Langem, dass relativ junge Kinder im Schuljahr häufiger an Hyperaktivität leiden und schlechtere schulische Leistungen erbringen. Dies ist jedoch der erste Nachweis für einen Zusammenhang mit einer erhöhten Depressionsdiagnose.“
Mithilfe der Clinical Practice Research Datalink-Datenbank teilten die Forscher schulpflichtige Kinder in vier Altersgruppen ein, basierend auf ihrem relativen Alter im Schuljahr. Sie verglichen die Raten von ADHS, geistiger Behinderung und Depressionen – angepasst an Kalenderjahr, sozioökonomischen Status und Geschlecht.
Es gab keinen Geschlechtsunterschied im Depressionsmuster. Die ADHS-Assoziation war bei Kindern unter 10 Jahren stärker ausgeprägt. Die stärksten Zusammenhänge zeigten sich zwischen den Jüngsten und Ältesten, mit mittleren Effekten in den zentralen Gruppen.
Ethnische Unterschiede oder regionale Abweichungen innerhalb des Vereinigten Königreichs konnten nicht präzise geschätzt werden.
Die Beobachtungsstudie, veröffentlicht in JAMA Paediatrics, diskutiert mögliche Interventionen wie verzögerten Schuleintritt. Dieser ist jedoch selten und könnte sozioökonomische Ungleichheiten verstärken.
Jedes Jahr beginnen rund 800.000 Kinder in Großbritannien die Grundschule. Die Studie prognostiziert etwa 500 zusätzliche Depressionsdiagnosen bei den Jüngsten bis zum 16. Lebensjahr.

Die Forscher nennen keine kausalen Gründe, betonen aber das Altersgefälle von fast einem Jahr im selben Schuljahr. Jüngere Kinder könnten Schwierigkeiten mit Konzentration haben, was zu Überdiagnosen führt. Schlechtere Leistungen und Peer-Beziehungen könnten psychische Belastungen verstärken.
Leitender Autor Professor Ian Douglas von der LSHTM: „Nur 1 Prozent der Jüngsten werden bis 16 depressiv diagnostiziert – doch psychische Gesundheit gewinnt an Priorität. Wir müssen die Betroffenenanzahl senken. Bessere Problemerkennung hilft.“
Die Autoren nennen Limitationen, wie mögliche Fehlklassifikationen bei verzögertem Schuleintritt, der national selten ist.