Ein Team von Forschern der Heriot-Watt University in Edinburgh hat eine innovative Ultraschalltechnologie entwickelt, die deutlich mehr Krebsfälle aufspüren und den Bedarf an invasiven Biopsien reduzieren könnte.
Aktuelle Ultraschallverfahren eignen sich gut zur Identifikation potenzieller Probleme in Schlüsselorganen, fehlen jedoch oft an der nötigen Empfindlichkeit für Krebsdiagnosen. Das Edinburgher Forscherteam meldet nun einen Meilenstein: Ihre Methode erzeugt Bilder mit einer Auflösung, die fünf- bis zehnmal höher ist als bei konventionellen Techniken.
Zum ersten Mal ermöglicht diese Superauflösungstechnik das Scannen von Organen und Blutflüssen in höchster Präzision. Klinische Studien am Menschen starten im Dezember im Western General Hospital in Edinburgh im Rahmen des NHS-Programms.
Das Verfahren basiert auf der Injektion winziger Mikrobläschen in den Blutkreislauf. Beim Ultraschall-Scan werden diese Bläschen erfasst, sodass der Blutfluss mit einer Genauigkeit von 0,05 mm visualisiert werden kann. Patienten müssen nur wenige Minuten stillhalten, um hochwertige Bilder zu erhalten.
Fortschrittliche Computeralgorithmen tracken die Bläschen und generieren detailliertere Bilder als je zuvor möglich. Durch die Kartierung von Blutgefäßen und -strömen können Experten die Gefäßnetzwerke identifizieren, die Tumorwachstum fördern.
Dr. Vassilis Sboros, Leiter der Forschung an der Heriot-Watt University, erklärt: „Wir beobachten die Bläschen einzeln als Punkte im Bild. Indem wir diese verbinden, entsteht ein hochaufgelöstes Bild mit präzisen Details.“
„Bisher erlaubte Ultraschall die Erkennung einiger Krebsarten, doch unsere Technik steigert die Diagnosesicherheit erheblich. Klinische Studien werden zeigen, ob wir Erkrankungen wie Bauchspeicheldrüsen- oder Leberkrebs viel früher diagnostizieren können.“
Dr. Sboros betont: Die Methode erfordert keine teure Aufrüstung bestehender Krankenhausausrüstung.

„Aktuelle Ultraschallbilder sind begrenzt, weshalb oft aufwendigere Verfahren wie MRT zurückgegriffen wird. MRT bietet zwar gute Ergebnisse, liefert aber nicht immer mehr Details. Bei Prostatakrebs ist zudem eine separate Biopsie nötig – belastend für Patienten und kostspielig für Kliniken.“
„Dank der Superauflösung verbessern wir die Fähigkeit, Krebsarten zu lokalisieren, zu diagnostizieren und zu behandeln. In der bevorstehenden Studie wollen wir den Nutzen nachweisen und die Anwendung auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Leberleiden oder Transplantatabstoßung erweitern. Langfristig könnten Biopsien obsolet werden.“
Eine Studie im Journal of Investigative Radiology demonstriert bereits Prostatakrebs-Bilder mit dieser Technik.
Professor Alan McNeill, leitender Urologe am Western General Hospital, kommentiert: „Prostatakrebs ist ein wachsendes Gesellschaftsproblem.“
„Unsere Erkenntungsmethoden liefern nicht immer klare Infos darüber, wer eine Behandlung braucht. Eine präzise Darstellung des Tumor-Blutflusses könnte entscheidend neue Daten bringen und Patienten besser triagieren.“
„Es ist spannend, dass wir als erstes Krankenhaus weltweit diese Technik an Patienten testen.“