Laut neuen Forschungs-Ergebnissen der University of Bristol wurden prähistorische Babys in Europa wahrscheinlich mit Milch von Weidetieren gefüttert – mithilfe von Gefäßen, die modernen Babyflaschen ähneln.
Chemische Analysen von Rückständen in kleinen Tongefäßen aus antiken Kindergräbern deuten eindeutig auf Milch von Wiederkäuern hin.
Die Studie, veröffentlicht in der renommierten Fachzeitschrift Nature, liefert erste direkte Belege für Entwöhnungspraktiken vor rund 2.500 Jahren.
Bisher stammten Erkenntnisse zur Entwöhnung ausschließlich aus Analysen von Säuglingsskeletten.
Die Gefäße mit einem Durchmesser von 5 bis 10 cm passen perfekt in Babyhände und weisen schmale Tüllen auf, die Saugen erleichtern.
Manche Exemplare sind figürlich gestaltet, etwa mit tierischen Motiven oder Füßchen.

Ursprünglich galt ihre Funktion als unklar; frühere Hypothesen sahen sie als Behälter für Kranke oder Gebrechliche.
Die Experten untersuchten drei Gefäße aus Kindergräbern in Bayern (1200–450 v. Chr.), gefunden neben Überresten von Kindern zwischen 0 und 6 Jahren.
Die Analyse der Rückstände ergab Fettsäuren, typisch für Milchprodukte von Kühen, Schafen oder Ziegen – Tieren mit Wiederkäuermagen.
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Die Kombination aus Kontext und chemischen Beweisen bestätigt: Diese Gefäße dienten der Fütterung von Babys mit Tiermilch.
Sie ergänzte entweder Muttermilch oder wurde bei der Beikost-Einführung genutzt.
Es handelt sich um den ersten Nachweis, dass prähistorische Säuglinge Tiermilch aus babyflaschenähnlichen Gefäßen erhielten.
Die Ergebnisse öffnen Türen für globale Vergleiche mit ähnlichen Funden.
Dr. Julie Dunne, Hauptautorin von der School of Chemistry der University of Bristol, betont: „Diese kleinen, faszinierenden Gefäße verbinden uns direkt mit der Säuglingsernährung vor Tausenden Jahren und rühren an die Beziehung von Müttern und Kindern in der Vergangenheit.“
„Ähnliche Objekte, wenn auch rar, finden sich in Kulturen wie dem antiken Rom oder Griechenland weltweit.“
„Wir streben eine breitere geografische Studie an, um ihren universellen Zweck zu prüfen.“