Erste Studienergebnisse deuten darauf hin, dass MDMA-assistierte Therapie herkömmliche Ansätze bei der Rückfallprävention übertrifft. Wir sprechen mit Dr. Ben Sessa, renommiertem Suchtpsychiater für Jugendliche und Erwachsene am Imperial College London und der University of Bristol.
Wie kam die Forschung zustande?
Als Kinder- und Jugendpsychiater habe ich jahrelang mit missbrauchten und misshandelten Kindern gearbeitet. Später wandte ich mich der Suchtbehandlung bei Erwachsenen zu und erkannte: Viele Betroffene in ihren 30ern, 40ern oder 50ern mit Abhängigkeit von Kokain, Opiaten oder Alkohol sind dieselben Personen, die traumatische Kindheitserfahrungen mit sich tragen.
Da MDMA-Therapie bereits erfolgreich bei PTBS eingesetzt wird, sah ich Abhängigkeit als 'PTBS plus Substanz'. Alkoholmissbrauch ist ein massives öffentliches Gesundheitsproblem. Eine Studie zu MDMA bei Alkoholkonsumstörungen lag daher nahe. Dank unabhängiger Förderung durch einen philanthropischen Spender konnten wir starten.
Wie läuft ein typisches Behandlungsprogramm ab?
Zunächst erfolgt eine medizinische Entgiftung. Danach nehmen Patienten an einem achtwöchigen Psychotherapieprogramm teil – meist wöchentliche Sitzungen ohne Medikament.
In den Wochen 3 und 6 folgen MDMA-unterstützte Sitzungen, unterbrochen von drogenfreien Terminen. Jede dauert einen vollen Tag, mit Übernachtung in der Einrichtung und Nachsorge am nächsten Tag.
Welche Dosis MDMA erhalten die Patienten?
Initial 125 mg, gefolgt von 62,5 mg nach zwei Stunden. Dies geschieht zweimal, in Woche 3 und 6.
Wie unterstützt MDMA die Therapiesitzungen?
MDMA mindert Angst-reaktionen und ermöglicht das sichere Abrufen traumatischer Erinnerungen, die sonst vermieden werden. So können Patienten sich voll der Psychotherapie widmen, Traumata reflektieren, hinterfragen und auflösen.
Wie sicher ist die Behandlung?
Die Risiken sind minimal. Es handelt sich um pharmazeutisches MDMA in klinischer Umgebung – nicht um Straßen-Ecstasy. Unter Aufsicht von Arzt, Pflegekraft und Therapeut im Krankenhausumfeld überwachen wir stündlich Blutdruck, Herzfrequenz und Temperatur.
Patienten verbleiben den ganzen Tag, übernachten vor Ort und erhalten tägliche Nachkontrollen eine Woche lang, wöchentliche Checks für zehn Wochen sowie Follow-up bis neun Monate. Mit Bluttests und EKGs minimieren wir Risiken auf das Allernötigste. MDMA ist sicherer als viele gängige Psychopharmaka, die ich täglich verschreibe.
Welche Erfolgsraten zeigen die Ergebnisse?
Dies ist eine Open-Label-Pilotstudie ohne Kontrollgruppe oder Placebo – keine formellen Wirksamkeitsaussagen möglich. Primärziel: Sicherheit und Verträglichkeit, die hervorragend bestätigt wurden. Keine Nebenwirkungen oder Probleme bei allen Teilnehmern.
Bei 12 Patienten: Zwei fielen auf Ausgangsniveau zurück, fünf sind komplett abstinent, fünf reduzierten auf gelegentliche Drinks ohne Störungskriterien. Somit 10/12 mit nachhaltigem Erfolg. Im Vergleich zu Standardtherapien (Reha, AA etc., wo 70 % nach neun Monaten rückfällig werden) überragend – auch wenn formal nicht bewiesen.
Kann diese Methode andere Abhängigkeiten oder Erkrankungen behandeln?
Ja, MDMA ergänzt Psychotherapie unspezifisch ideal. Die meisten Abhängigkeiten (außer Nikotin) wurzeln in Traumata – MDMA fördert traumafokussierte Therapie exzellent.
Welche nächsten Schritte plant die Forschung?
Als Nächstes: Randomisierte, placebokontrollierte Studie mit MDMA- und aktiver Kontrollgruppe zur Wirksamkeitsprüfung.
- Freizeit-MDMA und Ecstasy sind illegale Drogen der Klasse A. Besitz kann bis zu sieben Jahren Gefängnis einbringen; Lieferung lebenslange Haft. Infos und Hilfe: bit.ly/drug_info