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Körperpflege: Gibt es wirklich ein 'zu sauber'? Fakten zum Hautmikrobiom von Experten

Warum verzichten manche Menschen aufs tägliche Waschen?

Unsere Haut beherbergt über 1.000 Arten von Bakterien, Viren, Pilzen und Milben. Keine Sorge: Die meisten sind harmlos, viele sogar nützlich.

Dieses sensible Ökosystem, das Hautmikrobiom, schützt uns vor Infektionen. So produziert das Bakterium Pseudomonas aeruginosa Pseudomoninsäure, die vor gefährlichen Staphylokokken- und Streptokokken schützt.

Noch faszinierender: Das Mikrobiom reguliert unseren Körpergeruch. Schweiß selbst ist geruchlos – der typische Duft entsteht durch Bakterien, die ihn abbauen.

Warum riechen manche stärker? Es hängt von der Mikrobenpopulation ab. Verschiedene Bakterien zerlegen Schweiß unterschiedlich. Mikrobiologe Dr. Chris Callewaert, alias 'Dr. Armpit', bewies: Eine Achselbakterientransplantation von frisch duftenden zu geruchsempfindlichen Personen kann Geruchprobleme lindern.

Mehr zur Haut im Podcast mit Dr. Monty Lyman:

Mikroorganismen auf unserer Haut leisten oft mehr als Seife und Dusche. Manche Menschen duschen daher nur bei Bedarf – Händewaschen und Schmutzentfernung bleiben – und überlassen den Rest den Bakterien.

Die These: Häufiges Seifengebrauch stört das Mikrobiom. Befürworter berichten: Nach einer anfänglichen 'Stinkphase' (ca. eine Woche) hört der Geruch auf.

Alternativen zum Duschen?

Der Chemieingenieur David Whitlock duscht seit 15 Jahren nicht. Stattdessen nutzt er ammoniakoxidierende Bakterien (AOB) aus Erde – inspiriert von Pferden, die sich wälzen. Ergebnis: Kein Geruch.

Er gründete AOBiome mit Produkten unter 'Mother Dirt', die das Hautmikrobiom 'harmonisieren' sollen.

Gibt es 'zu sauber'? Die Hygienehypothese

Allergien wie Heuschnupfen und Asthma steigen seit der Industrialisierung. 1989 erklärte Epidemiologe Prof. David Strachan: Weniger Kindheitsinfektionen schwächen das Immunsystem.

Frühe Infekte trainieren gegen Allergene. Übermäßige Sauberkeit raubt diesen Schutz – so die Hygienehypothese.

Dr. Sally Bloomfield, Honorarprofessorin an der London School of Hygiene & Tropical Medicine: 'Wir sind nicht zu sauber für unser Wohl – das ist ein Mythos.' Wichtig sind nützliche Mikroben, nicht schädliche. Steril sind wir nie; es geht um Artenvielfalt.

Lebensstiländerungen trennten uns von 'alten Freunden': Mikroben, die mit uns evolvierten und Allergien verhindern. Schädliche Erreger spülen wir ruhig weg.

Kontakt zu 'alten Freunden' aufnehmen

Eine Studie im Journal of Investigative Dermatology zeigt: Kindes-Hautmikrobiom ähnelt der Mutter – stärker bei vaginaler Geburt. Babys übernehmen Mikroben dabei.

Dr. Bloomfield: Verlust durch Lebensstil, nicht Hausputz. Wichtig: Frühe Exposition.

Trotz Kaiserschnitt oder Stillprobleme kein Grund zur Sorge. 'Vaginales Seeding' (Abtupfen mit Vaginalflüssigkeit) gilt als riskant (Review 2018).

Starkes Immunsystem für Kinder aufbauen

Dr. Bloomfield: 'Gleichgewicht halten.' Kinder fördern: Spielen, Schmutz, Stillen, gesunde Ernährung, Antibiotika sparsam.

Matsch im Garten? Harmlos. Vor Snacks: Händewaschen. Das ist gezielte Hygiene – 'Hygienemomente'.

Sogar Seifenminimalisten schützen sich so.

Die 8 Hygienemomente

1

Bei Toilettengang

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Sauber bleiben, Hände waschen.

2

Nach Müllkontakt

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Hände nach Entleeren waschen.

3

Beim Kochen

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Hände vor Lebensmitteln waschen. Obst/Gemüse spülen. Nach rohem Fleisch: Hände und Utensilien reinigen.

4

Beim Händessnacken

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Hände übertragen Keime – waschen vor Essen.

5

Nach Husten/Niesen/Naseputzen

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Hände waschen, Taschentücher weg.

6

Bei Krankenpflege

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Ansteckend trotz Symptomen – Hygiene wahren.

7

Nach schmutziger Wäsche

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Hände waschen nach Berührung.

8

Nach Haustierkontakt

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Haustiere tragen humanpathogene Mikroben.