Ein internationales Forscherteam hat einen neuen HIV-Stamm entdeckt – den ersten seit 2006. Als Experten für Virologie und globale Gesundheit unterstreichen wir die Bedeutung dieser Entdeckung für die Überwachung des Virus.
Dieser Subtyp L der HIV-Gruppe M ist der erste neue Subtyp seit Einführung der Klassifizierungsrichtlinien um die Jahrtausendwende. Viren der Gruppe M verursachen die weltweite Pandemie und lassen sich bis in die Demokratische Republik Kongo (DRK) in Subsahara-Afrika zurückverfolgen.
Die Entdeckung hilft Forschern, dem sich wandelnden Virus voraus zu sein und zukünftige Pandemien zu verhindern. Für die Klassifizierung als neuer Subtyp müssen drei unabhängige Fälle nachgewiesen werden.
Die ersten beiden Proben des neuen HIV-1-Gruppe-M-Subtyps L stammen aus den Jahren 1983 und 1990 aus der DRK. Die dritte Probe von 2001 ließ sich damals aufgrund geringer Viruslast und technischer Grenzen nicht sequenzieren.
Das globale Gesundheitsunternehmen Abbott ermöglichte die Entdeckung durch modernste Technik. Die Ergebnisse wurden im Journal of Acquired Immune Deficiency Syndrome (JAIDS) publiziert.
Carole McArthur, Professorin für orale und kraniofaziale Wissenschaften an der University of Missouri, Kansas City und Mitautorin der Studie, betont: „In einer zunehmend vernetzten Welt können Viren nicht mehr lokal eingedämmt werden. Diese Entdeckung mahnt uns, das sich ständig verändernde HIV-Virus kontinuierlich neu zu bewerten und innovative Technologien einzusetzen, um seine Evolution zu überwachen.“
Fortschritte in der Genomsequenzierung erlauben es, vollständige Genome schneller und kostengünstiger zu analysieren. Abbott-Wissenschaftler entwickelten spezielle Methoden, um den Virusanteil anzureichern und das Genom lückenlos zu sequenzieren.
Der neue Stamm verändert weder Diagnose noch Therapie von HIV. Bestehende Tests und antiretrovirale Medikamente zielen auf konservierte Virusregionen ab, die allen Gruppen gemeinsam sind.
Dr. Michael Brady, medizinischer Direktor der HIV-Wohltätigkeitsorganisation Terrence Higgins Trust, erklärt: „Das wissenschaftliche Verständnis von HIV schreitet rasch voran. Es gibt zahlreiche Stämme, doch unsere Nachweis- und Behandlungsmethoden bleiben wirksam.“
„Dank medizinischer Innovationen ist HIV heute eine beherrschbare chronische Erkrankung. Unter effektiver Therapie ist eine Übertragung nicht mehr möglich.“
„Aktuelle Daten von Public Health England zeigen: Rund 7 Prozent der HIV-Infizierten im Vereinigten Königreich kennen ihren Status nicht. Regelmäßige Tests sind entscheidend – eine Botschaft, die wir in der National HIV Testing Week verstärken.“
„Wir verfügen über die Mittel, um Neuinfektionen zu stoppen. Der Abbau von Testbarrieren ist der Schlüssel zum Erfolg.“