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Antibiotikaresistenz: Eine Bedrohung so gravierend wie der Klimawandel?

Immer wieder alarmieren Nachrichten über neu entdeckte antibiotikaresistente Bakterien. Tatsächlich haben in den letzten zehn Jahren 19 neue Stämme Mechanismen entwickelt, um Antibiotika zu widerstehen. Ein markantes Beispiel ist Colistin, das 'letzte Reserve-Antibiotikum' – bis 2015 Forscher eine Resistenz bei E. coli nachwiesen.

Die moderne Medizin ist ohne Antibiotika kaum denkbar. Diese 'Wundermittel' ermöglichen lebensrettende Eingriffe wie Organtransplantationen und komplexe Herzoperationen.

Seit der Entdeckung des Penicillins haben Bakterien jedoch 'strategische' Wege gefunden, Antibiotika zu umgehen – sie werden weder getötet noch ihr Wachstum gestoppt.

Dies betrifft nicht nur die Humanmedizin. Antimikrobielle Resistenz (AMR) tritt natürlich in der Umwelt auf, wo Bakterien antimikrobielle Stoffe produzieren.

Um zu überleben, entwickeln Bakterien Abwehrmechanismen wie die Übertragung resistenzverursachender Gene zwischen Arten.

Sogar ohne menschliches Zutun fördert die Natur die Selektion resistenter Mikroorganismen.

Wie groß ist die AMR-Bedrohung?

AMR ist keine ferne Gefahr – sie wütet bereits. Weltweit sterben jährlich 700.000 Menschen an antibiotikaresistenten Infektionen.

Bis 2050 könnte diese Zahl auf 10 Millionen pro Jahr ansteigen und die Gesundheitssysteme 100 Billionen US-Dollar kosten, sofern keine Gegenmaßnahmen greifen.

Zusätzlich mindert AMR die Wirksamkeit standardmäßiger Therapien, verlängert Krankenhausaufenthalte und treibt Kosten in die Höhe.

Die WHO warnt vor dem 'Post-Antibiotika-Zeitalter', in dem einfache Infektionen unheilbar werden.

AMR entsteht durch menschliche Aktivitäten: Hohe Antibiotika-Produktion (Hunderttausende Tonnen jährlich), Abwässer aus der Pharmaindustrie, Wachstumsförderer in der Tierhaltung und freier Verkauf fördern Resistenzen.

Missbrauch schafft ideale Bedingungen für resistente Stämme. Bei Nutztieren entstandene Resistenzen übertragen sich via Lebensmittel auf den Menschen und erschweren Behandlungen.

Meine eigene Forschung zeigt: Multiresistente Bakterien sind außerhalb von Kliniken weit verbreitet. Werte in öffentlichen Räumen ähneln denen in Krankenhäusern – ideale Reservoirs für Ausbreitung.

Wie stoppen wir AMR?

AMR ist global wie der Klimawandel und erfordert weltweite Kooperation. Eine Studie in Nature Climate Change (2018) belegt: Erwärmung beschleunigt Resistenzen, da Bakterien bei Hitze rascher mutieren und sich vermehren.

Die gute Nachricht: Gemeinsam können wir handeln. Jeder zählt – durch Bedarfseinsatz von Antibiotika und Aufklärung in Sozialen Medien. Ohne Druck kehren Bakterien in anfälligen Zustand zurück.

Wir verlieren unsere wichtigsten Antibiotika. Lassen Sie uns für kommende Generationen verantwortungsvoll handeln und den Planeten schützen.