Laut einer aktuellen Studie entwickeln Analphabeten fast dreimal häufiger Demenz als lese- und schreibkundige Menschen.
In dieser Untersuchung mit 983 Teilnehmern im Durchschnittsalter von 77 Jahren – alle mit maximal vier Schuljahren – wurde geprüft, ob sie je Lesen oder Schreiben erlernt hatten. Daraus ergaben sich zwei Gruppen: 237 Analphabeten und 746 Literate.
Zu Studienbeginn und in Follow-ups alle 18 bis 24 Monate absolvierten die Probanden medizinische Checks sowie Gedächtnis- und Denktests. Diese umfassten das Merken unverwandter Wörter und das Nennen möglichst vieler Begriffe zu Kategorien wie Obst oder Kleidung.
Zu Studienstart litten 83 von 237 Analphabeten (35 %) an Demenz, bei den Literaten waren es 134 von 746 (18 %). Nach Anpassung für Alter, sozioökonomischen Status und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigten Analphabeten ein fast dreifaches Risiko.
Unter den demenzfreien Teilnehmern entwickelten sich nach durchschnittlich vier Jahren 114 von 237 Analphabeten (48 %) eine Demenz, gegenüber 201 von 746 Literaten (27 %). Auch hier ergab sich nach Korrektur ein doppelt so hohes Risiko für Analphabeten.
Die Ergebnisse erschienen in der renommierten Fachzeitschrift Neurology der American Academy of Neurology.
Studienleiterin Dr. Jennifer Manly vom Vagelos College of Physicians and Surgeons an der Columbia University in New York erklärt: „Lesen und Schreiben ermöglichen gehirnaktivierende Tätigkeiten wie Zeitungslektüre oder Hilfe bei Hausaufgaben für Kinder und Enkel.“
„Frühere Forschungen belegen, dass solche Aktivitäten das Demenzrisiko senken. Unsere Studie zeigt zudem: Lese- und Schreibfähigkeiten korrelieren mit besseren Gesamtergebnissen in Gedächtnis- und Denktests, unabhängig von Sprachkompetenz.“
„Dies unterstreicht, wie Lesen das Gehirn ganzheitlich stärkt und Demenz verzögern oder verhindern kann.“
Sie plädiert für weitere Studien zu Alphabetisierungsprogrammen als Demenzprävention.
Die Kohorte bestand aus niedrig gebildeten Bewohnern Nord-Manhattans, viele aus ländlichen Teilen der Dominikanischen Republik mit begrenztem Bildungszugang.
Dr. Sara Imarisio, Forschungsleiterin bei Alzheimer's Research UK, betont: „Die Studie legt einen Zusammenhang zwischen Analphabetismus und Demenz nahe, gestützt auf Selbstauskünfte. Bildung könnte die kognitive Reserve fördern – eine Resilienz gegen altersbedingten Hirnschaden.“
„Im Vereinigten Königreich haben rund 9 Millionen Erwachsene schwache Lese-Rechtschreibfähigkeiten, was kognitiv anregende Aktivitäten erschwert – diese senken jedoch das Risiko.“
„Beste Evidenz empfiehlt körperliche und mentale Aktivität, Nichtrauchen, Blutdruck- und Cholesterinkontrolle, moderaten Alkoholkonsum sowie eine ausgewogene Ernährung für langfristige Gehirngesundheit.“