Frühe menschliche Vorfahren waren möglicherweise weniger intelligent als heutige Menschenaffen. Eine neue Studie der University of Adelaide stellt etablierte Theorien zur Homininen-Evolution infrage.
Trotz eines vergleichbar großen Gehirns wie bei Gorillas, Schimpansen und Orang-Utans wiesen Australopithecus-Arten einen deutlich geringeren Blutfluss zum Gehirn auf, wie Forscher durch Messung der Arterienkanäle in Schädelfossilien und modernen Primaten feststellten.
Die winzigen Öffnungen für Arterien im Schädel ermöglichen bei lebenden Menschenaffen bis zu doppelt so hohen Blutfluss zum Gehirn. Dies korreliert mit der Stoffwechselrate und Intelligenz.
Bei modernen Gorillas ist der Blutfluss doppelt so hoch wie bei dem 3 Millionen Jahre alten Australopithecus, trotz ähnlicher Gehirngröße. Sogar Schimpansen und Orang-Utans mit kleineren Gehirnen übertreffen die Vorfahren in dieser Hinsicht.
Die Ergebnisse, veröffentlicht von Dr. Roger Seymour und Team in Royal Society B: Biological Sciences, deuten darauf hin, dass die Intelligenz moderner Homo-Spezies sich rascher entwickelte – parallel zur steigenden sozialen Komplexität.

Die Autoren betonen: „Die Ergebnisse lassen Zweifel an der Vorstellung aufkommen, dass die neurologischen und kognitiven Merkmale rezenter Menschenaffen die Fähigkeiten von Australopithecus-Arten angemessen repräsentieren.“
„Die Verwendung moderner Primaten als Stellvertreter für die Hominin-Evolution könnte sich historisch aufgrund ähnlicher Gehirngrößen durchgesetzt haben“, schreiben sie weiter.
Die Überraschung: Gorillas weisen doppelt so hohen Blutfluss auf wie Australopithecus, das traditionell zwischen Affen und Menschen eingeordnet wird.
„Anscheinend sind die Annahmen falsch, dass kognitive Fähigkeiten, Gehirn-Stoffwechselrate und Blutfluss parallel mit der Gehirngröße skalieren und die Muster bei Haplorhinen-Primaten auf Homininen zutreffen“, schließen die Forscher.