Regierungen weltweit messen zunehmend das Glückslevel ihrer Bürger, um die Auswirkungen politischer Maßnahmen auf das Wohlbefinden zu bewerten. Bisherige Daten reichen jedoch meist nur die letzten zehn Jahre zurück, was Langzeittrends erschwert.
Forscher der University of Warwick, der University of Glasgow und des Alan Turing Institute in London haben nun eine innovative Methode entwickelt: Sie analysierten Millionen Bücher und Zeitungen aus den Jahren 1820 bis 2009, um historische Glücksniveaus zu rekonstruieren.
Basierend auf psychologischen Erkenntnissen spiegeln öffentliche Texte die nationale Stimmung wider und verraten so die Emotionen der Menschen.
Die Kernquelle waren die Google Books-Korpora mit Worthäufigkeitsdaten aus acht Millionen Bänden.
Die Forscher berechneten Glückswerte aus Tausenden Wörtern in verschiedenen Sprachen und ermittelten so den Anteil positiver und negativer Sprache für USA, Großbritannien, Deutschland und Italien über die Jahrzehnte.
Im Vergleich mit modernen Umfragen zeigte sich die Methode als präzise. Die Daten offenbaren Höhen und Tiefen, die mit Schlüsselmomenten wie dem Ende der Rationierung oder Rezessionen korrespondieren.
"Bemerkenswert ist die enorme Widerstandsfähigkeit des nationalen subjektiven Wohlergehens gegenüber Kriegen. Auch temporäre wirtschaftliche Schwankungen haben selten langfristige Effekte. Unsere Daten zeigen den US-Bürgerkrieg, die Revolutionen von 1848, die wilden 1920er und die Weltwirtschaftskrise – doch die Menschen kehrten rasch zu ihrem früheren Glückslevel zurück", erklärt Prof. Thomas Hills von der Studie.
Die Analyse liefert faszinierende Insights: Ein Kriegsjahr wiegt weniger schwer als ein 30-prozentiger BIP-Anstieg. In Großbritannien markierte der "Winter der Unzufriedenheit" 1978/79 die unglücklichste Nachkriegszeit.