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6 faszinierende Gründe: Neandertaler waren kluge Feinschmecker, Künstler und Familienmenschen

Bis zu ihrem Verschwinden vor etwa 40.000 Jahren waren Neandertaler unsere nächsten Verwandten. Seit ihrer Entdeckung im Jahr 1856 werden sie oft als brutale, primitive „Höhlenmenschen“ stereotypisiert – eine Sichtweise, die sich dank neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse als veraltet erweist.

Als renommierte Neandertaler-Expertin und Archäologin Rebecca Wragg Sykes in ihrem Werk zeigt, widerlegen Funde zu Ernährung, Familienleben und künstlerischen Fähigkeiten das Bild einer unterlegenen Spezies endgültig. Hier sind sechs überraschende Fakten aus jahrzehntelanger Forschung.

1. Sie waren Feinschmecker

6 faszinierende Gründe: Neandertaler waren kluge Feinschmecker, Künstler und Familienmenschen

Neandertaler besiedelten Eurasien von Nordwales bis Sibirien. Ihre vielfältige Ernährung umfasste Gruppenjagden auf Bären, Nashörner und ausgestorbene Kamele mit selbstgefertigten Holzspeeren. Sie zerlegten Beute präzise, extrahierten Mark aus Knochen und kochten es möglicherweise.

Sie jagten auch Kleintiere, sammelten Schalentiere, Früchte wie Pistazien, Walnüsse, Datteln, Feigen, Oliven und Trauben. Zahnanalysen aus 2018 belegen den Verzehr von Knollen, Wildgetreide, Erbsen und Linsen in Europa. Belege für Kochen reichen bis Belgien und Irak – Neandertaler nutzten die Natur optimal aus.

2. Sie waren Künstler

6 faszinierende Gründe: Neandertaler waren kluge Feinschmecker, Künstler und Familienmenschen

Neue Funde belegen Kreativität und Symbolik: Sie sammelten Federn, Krallen und schnitzten Steine ohne praktischen Nutzen. Vor 50.000 Jahren gravierten sie in Gibraltar ein „Hashtag“-Muster in Höhlenböden.

Pigmente wie roter Ocker auf Muscheln (Italien, vor 45.000 Jahren) oder mit Pyrit gemischte Farben (Spanien) deuten auf künstlerische Anwendungen hin. Jüngste Datierungen spanischer Höhlenmalereien (rote Linien, Handumrisse) auf vor mehr als 10.000 Jahren vor Homo sapiens legen nahe, dass Europa bei unserer Ankunft bereits Neandertaler-Kunst beherbergte.

3. Sie hatten Familien

6 faszinierende Gründe: Neandertaler waren kluge Feinschmecker, Künstler und Familienmenschen

Neandertaler lebten in kleinen, familienbasierten Gruppen mit starken emotionalen Bindungen. Geburten waren riskant; Säuglinge wurden über ein Jahr gestillt. Kinder halfen früh mit, wie Knochen und Zahnspuren zeigen.

Todestraditionen waren komplex: Schnittspuren deuten auf rituelles Zerlegen oder Kannibalismus hin. Kreuzungen mit Homo sapiens seit 2010 bestätigt; ein rumänischer Kiefer (40.000 Jahre) zeigt Neandertaler-Abstammung in sechs Generationen. Hunderte Begegnungen vermischten Gene – Hybride erhielten dieselbe Pflege.

4. Sie waren kreativ

6 faszinierende Gründe: Neandertaler waren kluge Feinschmecker, Künstler und Familienmenschen

Entgegen dem Mythos von statischer Technik entwickelten Neandertaler über Hunderttausende Jahre neue Methoden: Levallois-Technik für präzise Steine und Birkenteer als ersten Kleber.

Sie bearbeiteten Knochen zu Werkzeugen, glätteten Häute und nutzten den Mund als Hilfestellung – geschlechtsspezifische Zahnspuren deuten auf geteilte Aufgaben hin.

5. Sie waren Sanitäter

6 faszinierende Gründe: Neandertaler waren kluge Feinschmecker, Künstler und Familienmenschen

Zahnrillen offenbaren Krankheiten und Mangel. Analysen aus El Sidrón (2017) fanden Bakterien-DNA für Infektionen; bei einem Abszess Penicillium (Penicillin-Quelle). Amputationen und Heilungen schwerer Verletzungen belegen Pflege.

Bittere Pflanzen wie Kamille und Schafgarbe wurden gekaut – ihre Geschmacksrezeptoren deuten auf medizinische Nutzung hin.

6. Sie sind nicht verschwunden

1–2 % Neandertaler-DNA leben in uns Eurasiern fort. Warum assimilierten sie sich? Mögliche Vorteile von Homo sapiens: breitere Ernährung, Netzwerke, Anpassung an Klimaschwankungen vor 55.000 Jahren. Langsame Assimilation statt Aussterben.

  • Dieser Auszug stammt aus Ausgabe 327 von BBC Focus Magazin – hier abonnieren.