Als Autor von The Science of Being Human habe ich mich intensiv mit der Wissenschaft unseres Menschseins auseinandergesetzt – speziell als Mitglied der Homo sapiens-Spezies. Statt bei einfachen Themen zu bleiben, tauchte ich tief in die weniger bekannten Aspekte unseres wissenschaftlichen Erbes ein. Hier sind ausgewählte Highlights aus meinem Buch.
Die Denisova-Höhle: Drei Hominidenarten unter einem Dach
Reisen Sie ostwärts nach Russland, fast bis zur mongolischen Grenze, und Sie erreichen die Denisova-Höhle. Diese unscheinbare Höhle birgt einige der bedeutendsten Hominiden-Funde.
Paläontologen stießen hier nicht nur auf Homo sapiens-Überreste, sondern auch auf Neandertaler-Reste und winzige Fragmente einer dritten, zuvor unbekannten Art: die Denisova-Menschen.
Besonders verblüffend: Alle drei Arten lebten offenbar gemeinsam in der Höhle – gleichzeitig, möglicherweise als Gemeinschaft. Genetische Analysen eines Knochens einer jungen Frau ergaben zudem eine Neandertaler-Mutter und einen Denisova-Vater.
Das impliziert eine lange Geschichte der Kreuzungen. Unsere DNA enthält Spuren von Neandertalern und Denisovanern. Für den Großteil der Menschheitsgeschichte teilten wir den Planeten mit anderen intelligenten Hominiden – wir sind evolutionär erst kürzlich allein.
Muskelgedächtnis und DOMS
Unsere evolutionäre Vergangenheit zeigt sich auch in unseren Muskeln, etwa beim verzögerten Muskelkater (DOMS), der 24 bis 48 Stunden nach dem Training auftritt.
DOMS entsteht durch Überlastung, die Mikrorisse im Gewebe verursacht. Der Schmerz kommt nicht von den Rissen, sondern vom Reparaturprozess: Das Immunsystem aktiviert sich, weiße Blutkörperchen strömen ein, verursachen Entzündung und Schwellung – der Muskel verkürzt sich.

Der Verzug ergibt sich aus der Aktivierungszeit von etwa einem Tag. Positiv: Nach DOMS ist der Muskel geschützt und durch den Heilungsprozess gestärkt.
Menschliche Lügendetektoren: Mythos oder Wahrheit?
Menschsein umfasst auch soziale Interaktionen – von Angesicht zu Angesicht bis online. Wie gut erkennen Sie Lügen? Viele überschätzen sich, doch Studien zeigen: Die meisten Menschen performen schlechter als beim Münzwurf.
Lügendetektoren und Körpersignale wie Augenkontakt oder Schwitzen sind unzuverlässig. Effektiv ist nur, den Befragten zu einer inkonsistenten Erzählung zu zwingen – Lügen erfordern mehr kognitive Anstrengung.
Eine bewährte Methode: Rückwärts erzählen lassen. Das erhöht die Fehlerwahrscheinlichkeit bei Lügen. Diese Technik wirkt jedoch primär in Verhören und ist im Alltag unethisch oder unpraktikabel.
Flüssigkeitsverhalten von Menschenmengen
Menschenmassen verhalten sich nicht wie Flüssigkeiten – trotz intuitiver Analogie.
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Flüssigkeiten in Rohren folgen dem Hagen-Poiseuille-Gesetz: Langsamer an den Wänden, schneller in der Mitte.

Menschen brechen dieses Gesetz: An Wänden sind sie am schnellsten, da sie Kollisionen nur einseitig meiden müssen. Reibung bremst Flüssigkeiten, Menschen jedoch nicht.
Menschsein ist komplex – von der Evolution bis zur Biochemie. In meinem Buch habe ich solche Erkenntnisse aus Mathematik, Biologie und mehr zusammengetragen.