Neue Forschungsdaten belegen: Vor rund 170.000 Jahren bereiteten frühe Menschen pflanzliche, kohlenhydratreiche Nahrung durch Kochen zu.
Archäologen stießen in der Border Cave, nahe der Grenze zwischen Südafrika und Swasiland, auf verkohlte Reste stärkehaltiger Pflanzenteile.
Diese Überreste stammen vermutlich von Rhizomen – dicken unterirdischen Stängeln – und gelten als direktester Beleg für das Rösten kohlenhydratreicher Pflanzen bis dato.
Dr. Lyn Wadley, Archäologin am Evolutionary Studies Institute der University of the Witwatersrand in Johannesburg und Leitautorin der Studie, bestätigt: Es handelt sich um die ältesten bekannten gekochten Rhizome.
Während die tierische Ernährung prähistorischer Menschen intensiv erforscht ist, fehlen oft Daten zu pflanzlichen Bestandteilen.

Der Grund: Knochen und Steinwerkzeuge aus Jagden erhalten sich besser als vergängliche Pflanzenreste.
Dennoch waren pflanzliche Kohlenhydrate „mit hoher Wahrscheinlichkeit ein wesentlicher Bestandteil der alten Ernährung“, so die Experten – doch wann genau sie erstmals genutzt wurden, war unklar.
Vor fünf Jahren fand ein internationales Forscherteam beim Durchsieben alter Feuerstellen in der Border Cave diese 170.000 Jahre alten, verbrannten Rhizome.
Analysen ergaben: Sie gehörten zur Pflanze Hypoxis angustifolia, einer kleinblütigen Art mit weißem Rhizom, die in ganz Südafrika heimisch ist.

Dr. Wadley erklärt: Die Reste überlebten nur durch Verkohlung und wirken wie „einheitlich kleine Holzkohlestückchen“.
Neben Rhizomen entdeckten die Wissenschaftler verbrannte Knochen, was auf eine ausgewogene Kost aus gekochten Pflanzen- und Tierprodukten hindeutet, betont Dr. Wadley.
Risse in den Rhizomen deuten darauf hin, dass sie frisch und grün gekocht, dann absichtlich gespalten wurden – kein Zufallsbrand.
„Wir vermuten, die Rhizome wurden nach dem Garen in der Höhle geteilt“, sagt Dr. Wadley. „Wahrscheinlich mit Jungen und Ältesten. Das zeugt von früher sozialer Organisation.“

Die Ergebnisse legen nahe, dass Hypoxis angustifolia eine verlässliche Nahrungsquelle für reisende Jäger und Sammler war.
Dr. Wadley: „Die immergrüne Pflanze erstreckt sich von Südafrika entlang der Ostküste bis in den Sudan und Jemen. Sie bot frühen Menschen vor 170.000 Jahren eine zuverlässige Kohlenhydratquelle unterwegs.“
Die Studie erschien in Science Advances.