Experten des NHS sind überzeugt: Dank fortschrittlicher Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen für Kinder könnte Gebärmutterhalskrebs vollständig eliminiert werden. Der britische Gesundheitsdienst hat die Einführung eines neuen Screening-Verfahrens abgeschlossen, bei dem Zervixproben zunächst auf das humane Papillomavirus (HPV) getestet werden.
HPV ist die Ursache für fast alle Fälle von Gebärmutterhalskrebs und kann auch Krebserkrankungen in anderen Genitalbereichen wie Vagina, Vulva, Penis und Anus auslösen. Diese häufige Infektion wird durch engen Hautkontakt übertragen, meist beim Geschlechtsverkehr oder Oralsex.
Bisher wurden Zervixproben primär auf Zellveränderungen untersucht, bevor HPV-Nachweise erfolgten. Nun wird der Prozess umgekehrt: Zuerst HPV-Test, dann bei positivem Befund Prüfung auf abnorme Zellen. So lassen sich Infektionen früher erkennen – bevor sich Krebs entwickelt.
Forschungsergebnisse belegen: Das neue Verfahren erfasst deutlich mehr Krebsvorstufen als die bisherige Methode.
In England werden jährlich rund 2.500 neue Fälle von Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert. Bis zu einem Viertel davon könnte durch das neue Screening verhindert werden. Ergänzt wird dies durch die kostenlose HPV-Impfung für alle 12- und 13-Jährigen in der achten Schulklasse.
Das NHS-Impfprogramm setzt auf den Impfstoff Gardasil, der vor den vier HPV-Typen schützt, die für die meisten Krebsfälle verantwortlich sind.
Forscher prognostizieren: Dank Impfung und besserer Früherkennung könnte Gebärmutterhalskrebs bis Ende des 21. Jahrhunderts in den meisten Ländern der Welt besiegt sein.
Professor Peter Johnson, nationaler klinischer Direktor des NHS für Krebs, betont: "Der neue HPV-Screening-Test für Gebärmutterhalskrebs wird Leben retten." Er ergänzt: "Es ist äußerst wichtig, dass alle berechtigten Personen zu ihren Screening-Terminen erscheinen, um sich selbst zu schützen."
"In Kombination mit dem Erfolg des HPV-Impfstoffs für Jungen und Mädchen hoffen wir, dass der NHS in England Gebärmutterhalskrebs vollständig eliminieren kann. Die Überlebenschancen bei Krebs liegen auf einem Rekordhoch, doch wir können noch mehr tun, während wir unseren langfristigen Plan umsetzen."
Prof. Johnson unterstreicht: Gebärmutterhalskrebs verursacht in frühen Stadien oft keine Symptome. "Daher ist es besonders wichtig, an den Tests teilzunehmen und sich bei Berechtigung gegen HPV impfen zu lassen."
71,9 Prozent der berechtigten Frauen im Alter von 25 bis 64 Jahren wurden 2018/19 auf Gebärmutterhalskrebs untersucht
Robert Music, Geschäftsführer von Jo's Cervical Cancer Trust, freut sich: "Es ist ermutigend zu sehen, wie wir in der Prävention von Gebärmutterhalskrebs vorankommen. Wir müssen das Screening-Programm kontinuierlich anpassen und weiterentwickeln."
"Der Tag, an dem Gebärmutterhalskrebs der Vergangenheit angehört, rückt in greifbare Nähe. Zervix-Screening ist essenziell, doch viele Frauen zögern aus verschiedenen Gründen. Diese Barrieren müssen wir abbauen, damit möglichst viele vom empfindlicheren Test profitieren und wir Leben retten."
Im Jahr 2018/19 nahmen 71,9 % der Frauen im Alter von 25 bis 64 Jahren am Screening teil. Experten äußern Bedenken über die niedrige Teilnahmerate bei jungen Frauen.
Bei der Impfung schlossen 2017/18 83,8 Prozent der Mädchen die Zwei-Dosis-Serie ab (im Vorjahr: 83,1 Prozent). Seit September 2019 ist die Impfung auch für Jungen kostenlos verfügbar.