Es ist seit Langem bekannt, dass Migränepatienten eine erhöhte oder extreme Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen zeigen. Eine neue Studie der Universitäten Birmingham und Lancaster liefert nun überzeugende Erklärungen dafür.
Migräne ist eine neurologische Erkrankung mit intensiven, schwächenden und anhaltenden Kopfschmerzen. Schätzungsweise leiden 6 Millionen Menschen im Vereinigten Königreich darunter – etwa 11 Prozent der Bevölkerung.
Die Untersuchung zeigt: Menschen mit Migräne weisen einen hypererregbaren visuellen Kortex auf.
„Die meisten Migränepatienten berichten von abnormalen visuellen Empfindungen im Alltag, wie elementaren Halluzinationen, Sehbeschwerden und übermäßiger Lichtempfindlichkeit“, erklärt Hauptautor Dr. Terence Chun Yuen Fong.
Obwohl die exakte Ursache der Kopfschmerzen noch erforscht werden muss, beweist diese Studie erstmals einen Zusammenhang mit Anomalien im visuellen Kortex – jenem Gehirnbereich, der visuelle Signale von der Netzhaut aufnimmt, integriert und verarbeitet.
Im Experiment nahmen 60 Freiwillige teil, davon die Hälfte regelmäßige Migränepatienten. Sie bewerteten die Unannehmlichkeit eines gestreiften Gittermusters und berichteten über visuelle Phänomene.
Mittels Elektroenzephalogramm (EEG) maßen die Forscher die elektrische Gehirnaktivität und erfassten spezifische Reaktionsmuster.
Beide Tests zeigten Übereinstimmungen: Migränepatienten reagierten im visuellen Kortex stärker als die Kontrollgruppe. Interessanterweise fanden sich ähnliche Übererregbarkeiten auch bei einer Untergruppe ohne Migräne, die über Sehstörungen klagte.
„Unsere Ergebnisse deuten auf spezifische Anomalien hin, wie der visuelle Kortex bei Migränepatienten Informationen aus der Umwelt verarbeitet“, fasst Seniorautor Dr. Ali Mazaheri zusammen.
„Dies ist jedoch nur ein Puzzleteil, da vergleichbare Muster auch bei sensiblen Nicht-Migränepatienten auftreten.“