Jedes Lernen formt unser Gehirn nachhaltig. Dank seiner Plastizität entstehen neue Verbindungen zwischen Neuronen, wenn wir Informationen speichern.
Im Leben nehmen wir deklaratives Wissen auf – Fakten wie Wörter, Telefonnummern, Landkarten, Rezepte, Straßennamen, Tabellen oder Vorlieben wie Kabeljau mit Erbsenreis. Diese Informationen werden oft als „auswendig gelernt“ bezeichnet und können bei neurodegenerativen Erkrankungen vergehen.
Gleichzeitig erlernen wir prozedurales Wissen: Gehen, Radfahren, Schwimmen, Autofahren, Sprechen oder Lesen. Das ermöglicht automatisierte Handlungen.
Sprachenlernen vereint beides: Wortschatz (Lexik) und Grammatik (Syntax).
Wie wirkt sich der Erwerb zweier Sprachen auf das Gehirn aus? Gibt es Unterschiede im neuronalen Netzwerk für Sprachverarbeitung zwischen Bilingualen und Monolingualen?
Neuroimaging-Studien haben das beleuchtet. Sie zeigen Abweichungen in der Aktivierung bei der Verarbeitung der Erstsprache – unabhängig vom Vergleich Erst- vs. Zweitsprache. Analog: Beeinflusst Squashlernen die kortikale Repräsentation von Tennis?
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Die umfassendste Studie stammt von Cathy Price und Team am University College London. Sie verglichen hochkompetente Griechisch-Englisch-Bilinguale mit englischen Monolingualen bei Sprachaufgaben.
Beim Hören (Verständnis) waren Aktivierungen ähnlich. Bei Produktion (Bildbenennung, Vorlesen) aktivierten Bilinguale stärker fünf linke frontale und temporale Areale.
Diese Bereiche hängen mit Nutzungshäufigkeit und Sprachkontrolle zusammen. Die aktivierten Regionen waren gleich, nur intensiver bei Bilingualen. Das deutet auf Überlastung durch geringere Nutzung oder Interferenzkontrolle hin.
Ähnliche Muster zeigen andere Studien, besonders bei schwächerer Zweitsprache. Zweitsprachenlernen verändert die Erstsprachen-Repräsentation nicht grundlegend, erhöht aber den Verarbeitungsaufwand, vor allem beim Sprechen.
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César Ávila und Kollegen von der Universitat Jaume I fanden bei Spanisch-Katalanisch-Bilingualen breitere Netzwerke beim Bildbenennen in Spanisch im Vergleich zu Monolingualen. Bilinguale nutzen nicht-sprachliche Areale, möglicherweise präfrontale Kontrollregionen.
Die kortikale Erstsprachen-Repräsentation bleibt bei Bilingualen der Monolingualen ähnlich – klassische Sprachareale. Dennoch arbeiten sie härter. Zweisprachigkeit moduliert Nutzung, nicht Struktur, und aktiviert Kontrollmechanismen.