Wie viele Experten bin ich überzeugt: Ein Impfstoff ist unsere beste Waffe gegen das neuartige Coronavirus. Deshalb freute ich mich riesig, als die BBC-Serie Horizon mich bat, einen Film über die Pionierarbeit eines Teams am Imperial College London unter Leitung von Professor Robin Shattock zu drehen.
Professor Shattock, ein renommierter Impfstoffexperte, dachte anfangs, das Virus, das Lungenentzündungen verursacht, könne eingedämmt werden. Doch der Ausbruch eskalierte rasch.
Ein Meilenstein war die Veröffentlichung des Virus-Genoms – seines genetischen Bauplans – durch chinesische Wissenschaftler am 10. Januar. Dank dieser Daten entwickelte Robins Team in nur wenigen Wochen einen RNA-Impfstoff-Prototyp.
Traditionelle Impfstoffe nutzen abgetötete oder abgeschwächte Viren, um das Immunsystem zu trainieren. Es lernt das Virus zu erkennen und reagiert künftig schneller. Diese Methode ist bewährt, dauert aber Jahre.
Das Imperial-Team zielt auf Verfügbarkeit bis Jahresende ab – dank eines innovativen Ansatzes.
Statt Virus-Teile einsetzen sie laborgereinigte RNA-Abschnitte, identisch mit denen des SARS-CoV-2-Virus für die keulenförmigen Stachelproteine.

Injektierte in Muskelzellen verhält sich die RNA virusähnlich: Sie hijackt die Zellmaschinerie und produziert virale Stachelproteine.
Diese Proteine sind nicht infektiös, lösen aber hoffentlich eine starke Immunantwort aus. RNA-Impfstoffe sind revolutionär – noch keiner ist zugelassen.
Zuerst testeten sie an Mäusen mit starker Antikörperreaktion. Dann an Makaken, die COVID-19 entwickeln. Diese erhielten den Impfstoff, bevor sie lebenden Viren ausgesetzt wurden.
Zum Redaktionszeitpunkt standen die Ergebnisse aus, doch bei Erfolg sollten Menschentests Ende Juni starten.
Der Clou: Bei Gelingen könnten bis Jahresende bis zu fünf Millionen Dosen produziert werden – genug, um Risikogruppen vor einer möglichen zweiten Welle zu schützen.