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MIT-Professorin Rebecca Saxe: Soziale Isolation weckt Heißhunger im Gehirn – ähnlich wie echter Hunger

Prof. Dr. Rebecca Saxe ist Professorin für kognitive Neurowissenschaften und stellvertretende Leiterin des Department of Brain and Cognitive Sciences am MIT. Ihre jüngste Studie zeigt: Derselbe Gehirnbereich reagiert auf soziale Isolation wie auf Heißhunger.

Wie untersucht man Heißhunger, wenn er so subjektiv ist?

Ein bewährter Ansatz ist die Untersuchung von Hunger. Probanden fasten länger als gewohnt, dann zeigen wir ihnen Bilder ihrer Lieblingsspeisen – und messen die Verlangensreaktion im Gehirn.

Subjektiv können Probanden ihre Gefühle beschreiben. Objektiv beobachten wir die Substantia nigra, eine tiefe Gehirnstruktur, die Dopamin produziert und als Maß für Verlangen gilt.

In unserer Studie prüften wir, ob derselbe neuronale Schaltkreis bei Isolation und Erinnerung an vermisste soziale Kontakte aktiviert wird.

Wie sind Sie vorgegangen?

Jeder Proband absolvierte einen Tag vollständigen Fastens und einen Tag ohne jegliche menschliche Interaktion – weder vor Ort noch virtuell.

Am Tagesende präsentierten wir Bilder ihrer Lieblingsspeisen bzw. bevorzugten sozialen Aktivitäten.

Mit funktionaler MRT maßen wir die Aktivität in der Substantia nigra: Erwartungsgemäß stärkere Reaktion auf Essen bei Hunger, und analog auf soziale Bilder nach Isolation.

Was haben Sie gefunden?

In der Substantia nigra lösten bei Hunger Essenshinweise und bei Isolation soziale Hinweise dieselbe Verlangensreaktion aus. Faszinierend, wie ähnlich diese Mechanismen funktionieren.

Waren Sie überrascht, dass die Wirkung bereits nach einem Tag sichtbar war?

Wir debattierten intensiv, ob 10 Stunden ausreichen. Probanden wussten vom Ablauf, doch die meisten spürten Heißhunger. Die Intensität variiert individuell.

Das Studium von jemandem erfordert sicherlich ein gewisses Maß an sozialer Interaktion?

Die größte Herausforderung: Probanden ohne Kontakt ins MRT bringen. Normalerweise ist Forschung sozial. Wir schulten sie im Voraus, minimierten Personal und maskierten Forscher.

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Kann uns Ihr Experiment etwas über die aktuelle Situation sagen, in der sich viele Menschen in Selbstisolation befinden?

Unsere akute 10-Stunden-Isolation unterscheidet sich von der längeren, gemischten Form in der Pandemie mit Medienzugang. Dennoch relevant.

Gibt es irgendwelche unmittelbaren Auswirkungen auf die Ergebnisse?

Inspiriert von Mausstudien: Ähnliche Regionen sehnen soziale Interaktion. Das validiert Tier-models für psychische Erkrankungen wie Autismus.

Haben Sie Pläne für zukünftige Studien?

Unsere Postdoc geht nach Cambridge: Fokus auf Social Media, Jugendlicheinsamkeit. Wichtig: Objektive Isolation ≠ subjektive Einsamkeit. Alleinsein kann erfüllend sein, Vernetzung nicht immer ausreichend.