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Blutdurst enttarnt: Fehlt der wissenschaftliche Beweis für den Blutrausch?

Trotz unzähliger Geschichten über den Blutrausch – eine intensive Reaktion auf Anblick, Geruch oder Geschmack von Blut – gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis für dieses Phänomen. Als Wissenschaftsjournalist mit jahrelanger Erfahrung in der Recherche zu Mythen und Fakten habe ich die Ursprünge dieser Erzählungen untersucht und drei Haupt erklärende Ansätze gefunden.

  1. Die magische Sichtweise: Blut als Medium, das uns mit der übernatürlichen Welt verbindet und Dämonen uns in den Wahnsinn treiben können lässt.
  2. Die evolutionäre Hypothese: Der Blutrausch als Relikt prähistorischer Überlebenskämpfe in einer gewalttätigen Welt.
  3. Die ästhetische Perspektive: Freude, die aus eigentlich Abstoßendem und Angsteinflößendem entsteht.

Diese kulturellen Überzeugungen nähren bis heute den Mythos. Doch warum hält er sich?

Können Menschen Blutgeruch erkennen – und macht er uns aggressiv?

In kontrollierten Experimenten, die ich mit einem Team durchführte, mussten Probanden Blut von roten Kontrollflüssigkeiten unterscheiden. Wir erkennen Schweineblut hervorragend, menschliches Blut jedoch nur schwach – unabhängig von Geruchssinn oder Bluterfahrung.

Als schwache Detektoren erwarteten wir keinen Aggressionsauslöser durch menschlichen Blutgeruch.

Blutdurst enttarnt: Fehlt der wissenschaftliche Beweis für den Blutrausch?

Ein Folgeexperiment während eines gewalttätigen Videospiels zeigte: Echtes Blut, Kunstblut oder Wasser beeinflussten Herzfrequenz, Hautleitwert oder Atmung nicht signifikant.

Interessant: Bei Andeutung von „Pheromonen“ im Blut sanken Hautleitwert und Leistung – egal ob echtes Blut, Filmblut oder Wasser. Das deutet darauf hin, dass die Vorstellung von Blut Aufregung, Aggression oder Wut eher dämpft.

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Neuere Studien identifizieren E2D als metallischen Blutgeruchskomponente bei Säugetieren. Beim Menschen wirkt sie als Alarmsignal: Nach Inhalation lehnten Probanden sich in Annäherungs-Tests zurück – eine Fluchtreaktion, nicht Kampf. Im Gegensatz zu Raubtieren wie Wölfen oder Tigern.

Die Probanden assoziierten E2D nicht mit Blut, doch es löst Vermeidung aus. Die niedrige Konzentration in menschlichem Blut erklärt unsere schwache Erkennung. Menschen sind also keine guten Vampire!

Sind Menstruationsblutungen giftig – existieren „Menotoxine“ wirklich?

Der Mythos von giftigem Menstruationsblut steht obenan. Viele spotten darüber, doch warum befassten sich ernstzunehmende Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts damit?

Forscher suchten „Menotoxine“, die Schinkenverderb, Teigversagen, Pflanzensterben oder Fotoschäden erklärten. Noch 1975 hieß es optimistisch: „Eine schädliche Wirkung auf Organismen ist nicht ausgeschlossen.“

Menstruationsblut galt als magisch, nicht naturgesetzlich. Die Debatte erlahmte mangels Beweisen und Interesse.

Was ist Hämothymie – und gibt es sie?

Im 19. Jahrhundert galt Blutrausch als Fakt: Evolution mache uns zu Raubtieren beim Blutgeruch. Mobs wurden sadistisch, Soldaten brutal.

Blutdurst enttarnt: Fehlt der wissenschaftliche Beweis für den Blutrausch?

Bei manchen war es sexuell: Psychiater nannten es Hämothymie, mania sanguinis oder folie sanguinaire.

1909 referierte Dr. Thomas Claye Shaw in London über ihre Rolle bei Morden. Blut wirkt nicht bei allen gleich, doch bei Sensiblen sexuell erregend. Kollegen zweifelten am Mordmotiv, stimmten der Wirkung zu.

Guillotine-Szenen entzündeten Massenleidenschaften. Neuere Fälle fehlen; bei Kindersoldaten kein sexuelles Motiv.