Eine aktuelle Studie zeigt: Patientinnen mit der frühesten Form von Brustkrebs, dem duktalen Carcinoma in situ (DCIS), haben ein deutlich erhöhtes Risiko, später an invasivem Brustkrebs zu erkranken und daran zu versterben. Als Onkologie-Experten mit fundierten Kenntnissen zu Screening-Programmen und Langzeitdaten bestätigen wir die Relevanz dieser Erkenntnisse aus renommierten Quellen.
DCIS ist ein nicht-invasiver Brustkrebs, der sich nicht über die Milchgänge hinaus ausbreitet. Dank moderner Screenings hat die Diagnosehäufigkeit stark zugenommen und macht nun etwa ein Fünftel aller neu entdeckten Brustkrebsfälle aus.
Die Zusammenhänge zwischen DCIS und späteren invasiven Erkrankungen oder Brustkrebs-Todesfällen waren bisher jedoch wenig erforscht. Diese Studie, veröffentlicht in The BMJ, verfolgte genau dieses Ziel: Sie untersuchte Frauen mit DCIS-Diagnose hinsichtlich späterer Brustkrebsfälle und -Todesfälle.
Analysiert wurden Daten von 35.000 Frauen in England, die im NHS Breast Screening Program von 1988 bis März 2014 DCIS diagnostiziert bekamen. Bis Dezember 2014 wurden 13.606 Frauen bis zu fünf Jahre, 10.998 Frauen fünf bis neun Jahre, 6.861 Frauen 10–14 Jahre, 2.620 Frauen 15–19 Jahre und 939 Frauen mindestens 20 Jahre beobachtet.
Davon erkrankten 2.076 an invasivem Brustkrebs – mehr als das Doppelte der erwarteten nationalen Inzidenzraten. Zudem starben 310 Frauen an Brustkrebs, was 70 Prozent über den nationalen Sterblichkeitsraten liegt.
Die Autoren betonen: Dieses erhöhte Risiko besteht mindestens 20 Jahre nach der DCIS-Diagnose.
- Abonnieren Sie den Science Focus Podcast auf diesen Diensten: Acast, iTunes, Stitcher, RSS, Overcast
Intensivere Behandlungen senken das Risiko: Brusterhaltende Operation plus Strahlentherapie war effektiver als Operation allein, und Mastektomie zeigte die niedrigste Rate an invasivem Brustkrebs.
Die Autoren fassen zusammen: „Frauen mit screening-bedingtem DCIS haben über mindestens zwei Jahrzehnte ein höheres Langzeitrisiko für invasiven Brustkrebs und Brustkrebs-Tod als die Allgemeinbevölkerung. Intensivere Therapien und größere chirurgische Ränder reduzieren dieses Risiko.“
- Warum Sie BBC Science Focus abonnieren sollten
Professor Sarah Darby vom Nuffield Department of Population Health an der University of Oxford, Leiterin der Studie, erklärt: „Erstmals belegen wir, dass Frauen mit DCIS mehr als doppelt so hohes Risiko für invasiven Brustkrebs und Tod haben – sogar 20 Jahre später.“
„Trotz der Besorgnis ermöglicht dieses Wissen bessere Behandlungs- und Überwachungsstrategien, um optimale Versorgung zu gewährleisten und Leben zu retten.“