Laut einer renommierten Studie mit Passagieren und Besatzung eines Kreuzfahrtschiffs während der Pandemie sind asymptomatische COVID-19-Infektionen häufiger als lange vermutet.
Mehr als 80 Prozent der positiv getesteten Personen – genau 81 Prozent – zeigten keine Symptome. Die Forscher warnen, dass die Virusverbreitung auf solchen Schiffen dadurch "deutlich unterschätzt" wird, wie die im Fachblatt Thorax veröffentlichte Untersuchung schließt.
"Es sind Strategien nötig, um alle Passagiere zu testen und zu überwachen, damit keine Community-Übertragungen nach der Ausschiffung entstehen", betonen die australischen Wissenschaftler.
Professor Alan Smyth, Mitherausgeber der Zeitschrift, hebt hervor: Diese Ergebnisse könnten die Lockerung von Lockdowns beeinflussen, falls mehr Menschen als gedacht bereits infiziert waren.
Von 217 Passagieren und Crewmitgliedern testeten 128 positiv, davon 104 – 81 Prozent – symptomfrei.
Das Schiff startete Mitte März aus Argentinien zu einer 21-tägigen Antarktis-Reise, ähnlich der Route von Sir Ernest Shackleton. Trotz WHO-Pandemieerklärung und strenger Checks (Temperaturmessung, Ausschluss Reisender aus Hochrisikogebieten wie China oder Südkorea) brach das Virus aus.

Am achten Tag meldete sich das erste Fieber. Danach Kabinenquarantäne, Maskenpflicht und volle Schutzausrüstung bei Kontakten. Acht Personen wurden evakuiert, ein Todesfall ereignete sich.
Uruguay ermöglichte einen "sanitären Korridor" für die Rückführung: Tag 28 für Australier und Neuseeländer, Tag 32 für alle anderen.
Forscher der Macquarie University, des Sunshine Coast University Hospital und des Royal Australian College of General Practitioners nennen dies die erste vollständige COVID-19-Testung auf einem isolierten Schiff in der Pandemie.
Prof. Smyth erläutert: "Zuverlässige Schätzungen zu asymptomatischen Fällen fehlen. Die WHO nannte Anfang März nur 1 Prozent – hier waren es 81 Prozent."
"Beim Lockdown-Auslaufen könnte ein hoher Anteil infizierter, symptomfreier Personen bedeuten, dass weit mehr Bevölkerungsanteile immun sind. Dringend nötig: Präzise Seroprävalenzstudien zur globalen Infektionsrate."
Die Dauer der Immunität nach COVID-19 bleibt unklar.